Geothermieprojekt in Wilhelmsburg erfolgreich

24.08.2023
Drohnenaufnahme vom Bohrplatz mit Baufeld und Bohrturm in Hamburg Wilhelmsburg während der Bohrung für das Geothermiekraftwerke

Die Fördertests von Hamburgs erster Geothermiebohrung wurden erfolgreich abgeschlossen. Ab Frühjahr 2025 wird eine neue Erdwärmeanlage klimafreundliche Wärme für 6.000 Haushalte liefern.

1,4 und 1,3 Kilometer tief sind die beiden Bohrungen, die zukünftig als Quelle für klimafreundliche Wärme in Wilhelmsburg dienen werden. Aus dieser Tiefe wird unsere geplante Erdwärmeanlage Thermalwasser fördern und ab Frühjahr 2025 in Hamburg-Wilhelmsburg Haushalte mit der so gewonnenen Wärme versorgen. Diese umweltfreundliche Energiequelle soll die bereits vorhandenen lokalen Wärmenetze rund um den Energiebunker und den Energieverbund Wilhelmsburg Mitte auf der Elbinsel komplettieren.

 

Nach den abgeschlossenen Fördertest gehen unsere Experten derzeit von einer geothermalen Wärmeleistung von zirka 6 Megawatt aus. Damit könnte der Wärmebedarf von über 4.700 Haushalten gedeckt werden. Die geplante Geothermieanlage wird mittels eines Wärmetauschers dem 48 Grad Celsius warmen Thermalwasser Wärme entziehen und in das lokale Wärmenetz in Wilhelmsburg übertragen. Eine Wärmepumpenanlage stellt sicher, dass das Heizwasser das für die unterschiedlichen Jahreszeiten notwendige Temperaturniveau erreicht. Aufgrund des geplanten mehrstufigen Wärmepumpenprozesses kann die gewonnene Wärmeenergie und damit auch die Anzahl der versorgten Haushalte von rechnerisch 4.700 auf über 6.000 erhöht werden.

Parallel zur Errichtung der neuen Geothermie-Anlage soll auch das Wärmenetz in Wilhelmsburg weiter ausgebaut werden. Dafür werden die bereits existierenden Nahwärmenetze – der Energiebunker und der Energieverbund Wilhelmsburg Mitte – zusammengeschlossen, schrittweise verdichtet und weiter ausgebaut. Der Bau des Heizhauses am Geothermie-Standort soll im Frühjahr 2024 starten. Der erforderliche Leitungsbau hat bereits begonnen.

"Wir konnten erfolgreich ein geothermisches Reservoir im Wilhelmsburger Untergrund erschließen und sind damit einen großen Schritt weiter. Mit der erneuerbaren Wärme können wir unsere Fernwärmeversorgung in Wilhelmsburg ausbauen und verdichten. Wilhelmsburg ist ein gutes Beispiel dafür, welche Bedeutung Fernwärmenetze bei der zukünftigen klimaneutralen Wärmeversorgung von Haushalten haben können."

– Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke GmbH und verantwortlich für die Marke Hamburg Energie

Das Projektteam der Hamburg Energie Geothermie, ein Tochterunternehmen der Hamburger Energiewerke, hat in den vergangenen Monaten spezielle Filterrohre in der Produktionsbohrung eingebaut und über mehrere Wochen Fördertests durchgeführt, bei denen erfolgreich Thermalwasser aus über 1.300 Meter Tiefe gefördert werden konnte. Auch der Injektionstest, bei dem das geförderte Thermalwasser über eine zweite Bohrung wieder in die 130 Meter mächtige Sandsteinschicht zurückgeleitet wird, war erfolgreich.

Hamburgs Geothermie

Produktionsbohrung: ca. 1.400 Meter tief

Injektionsbohrung: ca. 1.300 Meter tief

Sandsteinschicht: ca. 130 Meter mächtig

Gesteinsschicht: 45 Mio. Jahre alt

Thermalwasser-Temperatur: 48 °C

Förderrate: ca. 140 m³/h

Wärmeleistung: ca. 6 MW

Das Verbundvorhaben mesoTherm konnte im Rahmen des IW3 Projekts umfangreiche Daten aus der Erkundungsbohrung gewinnen. Dies wird zum weiteren Erkenntnisgewinn der Geothermie im Norddeutschen Becken beitragen. Das mesoTherm-Vorhaben wird federführend von der Georg-August-Universität Göttingen, Geowissenschaftliches Zentrum, zusammen mit der Geothermie Neubrandenburg GmbH (GTN) und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) als assoziiertem Partner durchgeführt und hat das zentrale Ziel, zum Erkenntnisgewinn über die geothermischen Reservoire in Norddeutschland und ihrer möglichen energetischen Nutzung beizutragen.

Das Hamburger Geothermieprojekt ist Teil des Reallabors IW3 – Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg, das eine nahezu CO₂-freie Wärmeversorgung von Wilhelmsburger Wohnquartieren anstrebt. Als „Reallabor der Energiewende“, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Vorhaben mit insgesamt 22,5 Millionen Euro, um die Forschung und Entwicklung im Bereich zukunftsweisender Energietechnologien zu unterstützen. Insbesondere das Fündigkeitsrisiko in der Geothermie gilt es durch weitere Erkenntnisse zu mindern.

Neben Wind und Sonne ist Geothermie die dritte Säule der erneuerbaren Energien. Sie ist konstant und lokal verfügbar. Gemäß einer Studie des Umweltbundesamtes kann Tiefengeothermie bis zum Jahr 2050 mit 118 Terawattstunden pro Jahr zur klimaneutralen Wärmeversorgung beitragen. 42 Tiefe Geothermie-Anlagen sind in Deutschland mit einer installierten Wärmeleistung von 417 Megawatt realisiert. Unter tiefer Geothermie werden hier Anlagen mit einer Bohrtiefe über 400 Meter und einer durchschnittlichen Teufe von 2.500 Meter verstanden.