Dezentrale Netze und Quartiere
Nicht jede Lösung passt für ganz Hamburg – aber jede Lösung zählt. Dort, wo das große Stadtnetz nicht sinnvoll ausgebaut werden kann, schaffen dezentrale Netze und Quartierslösungen neue Möglichkeiten: passgenau, effizient und klimafreundlich. Wir von den Hamburger Energiewerken entwickeln Wärmeversorgung gezielt weiter – als Ergänzung zum Stadtnetz und als Teil einer flexiblen, stadtweiten Wärmewende.
Individuelle Versorgung für Hamburgs Stadtteile
Wir sind mehr als nur Betreiber des Stadtnetzes – wir entwickeln auch dezentrale Wärmeversorgungskonzepte für Stadtteile, Quartiere und Neubaugebiete, in denen ein Anschluss an das zentrale Fernwärmenetz weder möglich noch wirtschaftlich ist.
Dabei unterscheiden wir zwischen dezentralen Netzen und Quartieren:
- Dezentrale Netze versorgen größere Stadtbereiche über lokale Wärmenetze, die unabhängig vom zentralen Stadtnetz funktionieren. Sie haben das Potenzial zu wachsen.
- Quartierslösungen konzentrieren sich auf kleinere, meist neu entstehende Wohn- oder Mischgebiete mit einer lokal angepassten Energieinfrastruktur. Ihre Energielösungen gehen über die Wärme hinaus: mit Ökostrom und Elektromobilität.
Dezentrale Netze: Beispiele aus der Praxis
Technologievielfalt im Quartier
Wärme aus dem Erdboden, Ökostrom vom Dach und die Elektroladesäule vor der Tür – so sieht modernes, innerstädtisches Wohnen aus.
Energieversorgung in Quartieren ist mehr als nur Wärme, sondern ein Technologiemix anstelle einer Einzellösung. Unsere Quartierslösungen basieren auf ganzheitlichen Energiekonzepten – also der Kombination mehrerer klimafreundlicher Energiequellen für unterschiedliche Bedarfe. Typische Bestandteile sind:
- Wärmepumpen (Luft- oder Erdwärme)
- Abwärmenutzung aus Industrie und Gebäuden
- Blockheizkraftwerke (auch mit Biomethan)
- Wärmespeicher zur Flexibilisierung
- Solarthermie und Photovoltaik
- Ladeinfrastruktur für E-Mobilität
Quartierslösungen garantieren eine hohe Versorgungssicherheit und ermöglichen es gleichzeitig, regenerativ erzeugte Wärme und Ökostrom bedarfsgerecht zu verteilen – auch in schnell wachsenden oder stark verdichteten Stadtgebieten. In Quartieren erfüllen wir auf kleinstem Raum unseren Anspruch, flexible Versorgungskonzepte anzubieten – mit Wärme, Ökostrom und Ladeinfrastruktur aus einer Hand.
Neue Mitte Stellingen: Nachhaltiges Quartier mit Vorbildcharakter
Das Neubauquartier „Stellinger Terrassen“ zeigt, wie moderne Wärmeversorgung aussehen kann: Eine Wärmepumpe, die vollständig mit regenerativen Quellen betrieben wird, speist sich aus Erdwärmesonden, Gebäudeabwärme und der Abwärme eines hocheffizienten Blockheizkraftwerks (BHKW). Ein Vierleiternetz schafft die Grundlage für effiziente Sektorenkopplung, da Strom- und Wärmeerzeugung flexibel kombiniert und lokal gesteuert werden können.
Photovoltaikanlagen mit Batteriespeicher liefern Ökostrom direkt vom Dach für die Mieter. Die Besonderheit: Die Strom- und Wärmeversorgung ist bewusst miteinander verknüpft – inklusive einer eigenen Netzstruktur für den lokal erzeugten Strom aus Photovoltaik. 28 Stellplätze sind mit E-Ladeinfrastruktur vorgerüstet – perspektivisch soll jeder Parkplatz eine Lademöglichkeit bieten.
Bereits heute stammt mehr als 50 Prozent der benötigten Energie (sowohl Wärme als auch Strom) aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik, Erdwärme und Abwärme. Das Projekt steht exemplarisch für eine dezentrale, sektorenübergreifende Energieversorgung der Zukunft.