Ausbau Fernwärme

Dezentrale Netze und Quartiere

Lokale Wärme weitergedacht

Nicht jede Lösung passt für ganz Hamburg – aber jede Lösung zählt. Dort, wo das große Stadtnetz nicht sinnvoll ausgebaut werden kann, schaffen dezentrale Netze und Quartierslösungen neue Möglichkeiten: passgenau, effizient und klimafreundlich. Wir von den Hamburger Energiewerken entwickeln Wärmeversorgung gezielt weiter – als Ergänzung zum Stadtnetz und als Teil einer flexiblen, stadtweiten Wärmewende

Individuelle Versorgung für Hamburgs Stadtteile

Wir sind mehr als nur Betreiber des Stadtnetzes – wir entwickeln auch dezentrale Wärmeversorgungskonzepte für Stadtteile, Quartiere und Neubaugebiete, in denen ein Anschluss an das zentrale Fernwärmenetz weder möglich noch wirtschaftlich ist.

Dabei unterscheiden wir zwischen dezentralen Netzen und Quartieren:
 

  • Dezentrale Netze versorgen größere Stadtbereiche über lokale Wärmenetze, die unabhängig vom zentralen Stadtnetz funktionieren. Sie haben das Potenzial zu wachsen. 
  • Quartierslösungen konzentrieren sich auf kleinere, meist neu entstehende Wohn- oder Mischgebiete mit einer lokal angepassten Energieinfrastruktur. Ihre Energielösungen gehen über die Wärme hinaus: mit Ökostrom und Elektromobilität.

Dezentrale Netze: Beispiele aus der Praxis 

  • Blick auf den Energiebunker in Hamburg Wilhelmsburg.
  • Zwei seitlich abgelenkte Bohrungen wurden in das geothermische Reservoir, eine 130 Meter mächtige und 45 Millionen Jahre alte Sandsteinschicht, runtergebracht. Der Bohrturm hat eine Höhe von zirka 40 Metern. (Aufnahmen von 2022)

Wilhelmsburg: Energiebunker und Geothermie als Leuchtturmprojekt

Der ehemalige Flakbunker in Wilhelmsburg wurde zum Ökokraftwerk umgebaut – mit beeindruckender Bilanz: Seit 2015 werden über das Energiebunker-Netz über 2.200 Wohneinheiten mit klimafreundlicher Wärme versorgt, erzeugt aus Solarthermie, Photovoltaik, industrieller Abwärme und zwei Blockheizkraftwerken.

In 2026 werden die beiden existierenden Netze in Wilhelmsburg – Energiebunker und Energieverbund – zum Wilhelmsburger Wärmenetz zusammengeschlossen. Mit der neuen Geothermie-Anlage wird die Wärmeversorgung auf Hamburgs größter Elbinsel weiter ausgebaut. Die Erdwärme aus über 1.300 Meter Tiefe wird als 48 °C warmes Thermalwasser aus dem Untergrund gewonnen. Mittels einer effizienten Wärmepumpenanlage wird die Temperatur auf das benötigte Niveau der Fernwärme angehoben.  

  • Straßenansicht
  • Es sind die neu zu bauenden Garagen mit den Luftkühlern auf den Dächern zu sehen.
  • Das neue Wärmepumpengebäude. Im Hintergrund der alte Schornstein des Heizwerks.
  • Perspektive in Richtung Wohnkomplex.

Bergedorf-West: Fossilfrei in die Zukunft

Im Stadtteil Bergedorf-West entsteht eine moderne Luft-Wärmepumpenanlage, die das bestehende Heizwerk ersetzt. Herzstück ist eine moderne Luftwärmepumpen-Anlage mit 4 MW thermischer Leistung. Ergänzt wird das System durch mehrere Gaskessel, die bei Bedarf Spitzenlasten abdecken. Rund 2.600 Wohneinheiten und zirka 200 Gewerbebetriebe werden zuverlässig versorgt.

Die moderne Wärmepumpen-Anlage deckt künftig einen Teil des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien. Sie ist eine der größten Anlage dieser Art in Hamburg und eine der ersten, die in einem Hamburger Wohngebiet errichtet wird. Darüber hinaus wird das Gelände im Zuge des Projekts städtebaulich aufgewertet, unter anderem durch ein nachhaltiges Grünkonzept. Gemäß Planungsstand ist die Inbetriebnahme für Anfang 2027 geplant.  

Technologievielfalt im Quartier

Wärme aus dem Erdboden, Ökostrom vom Dach und die Elektroladesäule vor der Tür – so sieht modernes, innerstädtisches Wohnen aus. 

Energieversorgung in Quartieren ist mehr als nur Wärme, sondern ein Technologiemix anstelle einer Einzellösung. Unsere Quartierslösungen basieren auf ganzheitlichen Energiekonzepten – also der Kombination mehrerer klimafreundlicher Energiequellen für unterschiedliche Bedarfe. Typische Bestandteile sind:
 

  • Wärmepumpen (Luft- oder Erdwärme)
  • Abwärmenutzung aus Industrie und Gebäuden
  • Blockheizkraftwerke (auch mit Biomethan)
  • Wärmespeicher zur Flexibilisierung
  • Solarthermie und Photovoltaik
  • Ladeinfrastruktur für E-Mobilität


Quartierslösungen garantieren eine hohe Versorgungssicherheit und ermöglichen es gleichzeitig, regenerativ erzeugte Wärme und Ökostrom bedarfsgerecht zu verteilen – auch in schnell wachsenden oder stark verdichteten Stadtgebieten. In Quartieren erfüllen wir auf kleinstem Raum unseren Anspruch, flexible Versorgungskonzepte anzubieten – mit Wärme, Ökostrom und Ladeinfrastruktur aus einer Hand.

Drohnenfoto aus dem Quartier Stellinger Terrassen, zu sehen ist eine Nahaufnahme des Daches eines der Wohngebäude, auf dem Dach verlaufen Rohre und Leitungen aus Edelstahl für Abluft und Wärmetauscher, dazwischen stehen dunkelblaue Photovoltaikmodule. Im Hintergrund sind weitere Gebäude des Quartiers zu sehen, darüber blauer Himmel mit weißen Wolken.

Neue Mitte Stellingen: Nachhaltiges Quartier mit Vorbildcharakter

Das Neubauquartier „Stellinger Terrassen“ zeigt, wie moderne Wärmeversorgung aussehen kann: Eine Wärmepumpe, die vollständig mit regenerativen Quellen betrieben wird, speist sich aus Erdwärmesonden, Gebäudeabwärme und der Abwärme eines hocheffizienten Blockheizkraftwerks (BHKW). Ein Vierleiternetz schafft die Grundlage für effiziente Sektorenkopplung, da Strom- und Wärmeerzeugung flexibel kombiniert und lokal gesteuert werden können.

Photovoltaikanlagen mit Batteriespeicher liefern Ökostrom direkt vom Dach für die Mieter. Die Besonderheit: Die Strom- und Wärmeversorgung ist bewusst miteinander verknüpft – inklusive einer eigenen Netzstruktur für den lokal erzeugten Strom aus Photovoltaik. 28 Stellplätze sind mit E-Ladeinfrastruktur vorgerüstet – perspektivisch soll jeder Parkplatz eine Lademöglichkeit bieten.

Bereits heute stammt mehr als 50 Prozent der benötigten Energie (sowohl Wärme als auch Strom) aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik, Erdwärme und Abwärme. Das Projekt steht exemplarisch für eine dezentrale, sektorenübergreifende Energieversorgung der Zukunft.