Kohleausstieg
Hamburg steigt früher aus: Während der bundesweite Kohleausstieg erst bis spätestens 2038 vorgesehen ist, senkt die Hansestadt den Kohleanteil in ihrer Fernwärme bereits bis 2030 auf null – verbindlich festgelegt im Hamburgischen Klimaschutzgesetz. Die Hamburger Energiewerke treiben diesen Wandel aktiv voran.
Der Kohleausstieg ist kein Selbstzweck, sondern Teil eines klaren Plans: Dabei setzen wir weniger auf importierte Energieträger, sondern erschließen die lokalen Potenziale Hamburgs und machen uns so unabhängiger von fossilen Brennstoffen. Dabei nutzen wir unvermeidbare Abwärme z.B. aus Industrie und Müllverwertung – ergänzt durch erneuerbare Wärme aus Großwärmepumpen.
Unser Ziel: Wir arbeiten daran, die von uns bereitgestellte Fernwärmeversorgung schrittweise treibhausgasärmer zu gestalten.
Der Weg zur kohlefreien Fernwärme – unsere 4 Säulen
1. Kraftwerke ablösen – Modulare Energieparks schaffen
Der überwiegende Teil der Fernwärme wird aktuell an den großen Kraftwerksstandorten Wedel und Tiefstack erzeugt. Die Ablösung der Kohlekraftwerke durch die beiden modularen Energieparks erfolgt in zwei Etappen. So reduzieren wir den Kohleanteil in der Fernwärme schrittweise auf null – und sichern gleichzeitig die Versorgung.
Ab 2026: Start der Inbetriebnahmephase des Energieparks Hafen – Ersatz des Heizkraftwerks Wedel
Mit dem Energiepark Hafen auf der Elbinsel Dradenau entsteht ein Erzeugungsstandort, der modular aufgebaut ist und an dem vielfältige Technologien genutzt werden:
- Abwärmenutzung aus Industrie, Müllverwertung
- Abwasserwärmepumpe am Klärwerk Dradenau
- KWK-Anlage Dradenau: Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD), die im Kraft-Wärme-Kopplungsbetrieb bedarfsgerecht und flexibel Strom und Wärme bereitstellt
- Power-to-Heat-Anlage zur Umwandlung von Ökostrom in Wärme
- Wärmespeicher mit heißem Wasser für eine flexible und bedarfsgerechte Versorgung
- Südleitung mit Elbtunnel zur Anbindung des Energieparks an das Stadtnetz im Nordwesten Hamburgs
- Abwärme aus dem künftigen Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) nördlich der Elbe ergänzt die Wärmeeinspeisung aus dem Energiepark Hafen
Energiepark Hafen
Der modulare Erzeugerpark bindet Abwärme aus Industrie und Abfallverwartung sowie Wärme aus Abwasser ein. Ergänzt werden diese Quellen durch eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage und einen Speicher.
Bis 2030: Ablösung des Heizkraftwerks Tiefstack – Ersatz durch den Energiepark Tiefstack
Auch in Tiefstack wird das bestehende Heizkraftwerk durch einen modularen Erzeugungsstandort ersetzt:
- Abwärmenutzung aus Industrie, Müllverwertung
- Flusswasserwärme: Großwärmepumpen-Anlage in der Billwerder Bucht
- Wärmespeicher zur Flexibilisierung der Wärmeerzeugung
- Umstellung des HKW Tiefstack von Steinkohle- auf Erdgasbetrieb gewährleistet die Versorgungssicherheit
Energiepark Tiefstack
Der Standort Tiefstack wird zum Energiepark weiterentwickelt. Teil des zukünftigen Erzeugungskonzepts ist unter anderem eine Flusswasser-Wärmepumpe sowie ein Wärmespeicher.
Insgesamt wird durch die beiden Großprojekte Energiepark Tiefstack und Energiepark Hafen sowie die Einbindung der Wärme vom Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) eine deutlich höhere thermische Leistung für das Hamburger Stadtnetz erschlossen, als durch die beiden Kohlekraftwerke wegfällt. So können wir unsere Wachstumspläne verfolgen und in Zukunft noch mehr Hamburger Haushalte mit heißem Wasser zum Duschen und Heizen versorgen.
2. Lokale Wärmequellen intelligent nutzen
Als Industrie- und Millionenmetropole erzeugt Hamburg täglich große Mengen ungenutzter Abwärme. Diese lokalen Quellen werden künftig systematisch in die Fernwärme eingebunden – direkt in der Stadt, für die Stadt. Zusätzlich nutzen wir die Klärwerksprozesse und Flusswasser zur Wärmegewinnung. Zu unseren Wärmequellen zählen:
- Industrieabwärme: z. B. ArcelorMittal, Aurubis
- Abfall- und Müllverwertung: z. B. Rugenberger Damm, Borsigstraße, ZRE
- Abwasser: über eine neue Großwärmepumpe am Klärwerk Dradenau
- Flusswasserwärme: über eine Wärmepumpen-Anlage in der Billwerder Bucht
3. Innovative Technologien für ein stabiles Wärmenetz
Ein Mix unterschiedlicher Technologien sorgt dafür, dass Hamburgs Wärmeversorgung auch bei vielen verschiedenen Wärmequellen zuverlässig bleibt.
- Großwärmespeicher stellen Wärme aus Abwärme- und Power-to-Heat-Anlagen bedarfsgerecht bereit.
- Durch Sektorenkopplung wie bei den Power-to-Heat-Anlagen wird erneuerbarer Strom, z. B. bei Windüberschuss, in Wärme umgewandelt.
- Digitale Steuerungssysteme vernetzen Erzeugung, Speicherung und Verteilung.
- Großwärmepumpen binden bislang ungenutzte Wärmequellen ein und bringen sie auf das erforderliche Temperaturniveau.
In den Energieparks werden diese Technologien gezielt miteinander kombiniert. So wird der fossile Brennstoffeinsatz weiter reduziert und ein hochflexibles, zukunftssicheres Wärmesystem geschaffen.
4. Erdgas als Übergang – vorbereitet auf grünen Wasserstoff
Für die Wärmewende gilt: Die Versorgungssicherheit hat Priorität. Deshalb können wir noch nicht vollständig auf Erdgas verzichten. Diese Technologie ermöglicht eine stabile Wärmeversorgung, während wir den Einsatz von unvermeidbarer Abwärme, Flusswasserwärme und Power-to-Heat schrittweise ausbauen. Entscheidend ist: Die neuen KWK-Anlagen werden bereits heute – soweit technisch möglich – für einen späteren Betrieb mit grünem Wasserstoff ausgelegt. Sobald grüner Wasserstoff in ausreichenden Mengen und zu angemessen Preisen verfügbar ist, wollen wir die Anlagen umrüsten.
Im Zusammenspiel mit Speicherlösungen, Wärmepumpen und Abwärmenutzung entsteht so ein System, das flexibel bleibt.
Ausblick
Mit dem gesetzlich vorgesehenen Kohleausstieg im Hamburg bis Ende 2030 schaffen wir die Basis. Wir unterstützen die Stadt Hamburg bei ihrem Ziel zur Klimaneutralität bis 2040.
Dafür setzen wir auf:
- den Ausbau der Fernwärme zur Versorgung zusätzlicher Stadtteile und Quartiere,
- lokale Ressourcen wie Abwärme und Flusswasser,
- technologische Offenheit für grünen Wasserstoff bzw. weitere Energieträger und Lösungen,
- sichere Versorgung auch bei vielen verschiedenen Wärmequellen,
- und Lösungen, die langfristig tragfähig sind.