Das Bild zeigt das Kraftwerk Tiefstack, das am Wasser liegt.
Energiewende in Hamburg

Kohleausstieg

Hamburg – Vorreiter beim Kohleausstieg

Hamburg steigt früher aus: Während der bundesweite Kohleausstieg erst bis spätestens 2038 vorgesehen ist, senkt die Hansestadt den Kohleanteil in ihrer Fernwärme bereits bis 2030 auf null – verbindlich festgelegt im Hamburgischen Klimaschutzgesetz. Die Hamburger Energiewerke treiben diesen Wandel aktiv voran und gestalten die zukünftige Wärmeversorgung der Stadt klimafreundlich, zuverlässig und bezahlbar.

Der Kohleausstieg ist kein Selbstzweck, sondern Teil eines klaren Plans: Statt auf importierte Energieträger zu setzen, nutzen wir konsequent die lokalen Potenziale Hamburgs und machen uns so unabhängiger von fossilen Brennstoffen. Im Mittelpunkt steht die Nutzung unvermeidbarer Abwärme z.B. aus Industrie und Müllverwertung – ergänzt durch erneuerbare Wärme. So leisten wir einen konkreten Beitrag zur Wärmewende in Hamburg.

Unser Ziel: eine vollständig klimaneutrale Fernwärmeversorgung bis spätestens 2040.

Der Weg zur kohlefreien Fernwärme – unsere 4 Säulen

Das Kraftwerk Tiefstack an der Elbe.

1. Kraftwerke ablösen – Modulare Energieparks schaffen

Der überwiegende Teil der Fernwärme wird aktuell an den großen Kraftwerksstandorten Wedel und Tiefstack erzeugt. Die Ablösung der Kohlekraftwerke durch die beiden modularen Energieparks erfolgt in zwei Etappen. So reduzieren wir den Kohleanteil in der Fernwärme schrittweise auf null – und sichern gleichzeitig die Versorgung

Ab 2025: Start der Inbetriebnahmephase des Energieparks Hafen – Ersatz des Heizkraftwerks Wedel

Mit dem Energiepark Hafen auf der Elbinsel Dradenau entsteht ein Erzeugungsstandort, der modular aufgebaut ist und an dem vielfältige Technologien genutzt werden:
 

  • Abwärmenutzung aus Industrie, Müllverwertung
  • Abwasserwärmepumpe am Klärwerk Dradenau
  • KWK-Anlage Dradenau: Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD), die im Kraft-Wärme-Kopplungsbetrieb bedarfsgerecht und flexibel Strom und Wärme bereitstellt
  • Power-to-Heat-Anlage zur Umwandlung von Ökostrom in Wärme
  • Wärmespeicher mit heißem Wasser für eine flexible und bedarfsgerechte Versorgung
  • Südleitung mit Elbtunnel zur Anbindung des Energieparks an das Stadtnetz im Nordwesten Hamburgs 
  • Abwärme aus dem künftigen Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) nördlich der Elbe ergänzt die Wärmeeinspeisung aus dem Energiepark Hafen
CO₂-Einsparung
Energiepark Hafen

Der modulare Erzeugerpark sammelt Abwärme aus umliegenden Quellen ein. Mit dem Energiepark sparen wir zukünftig bis zu 360.000 Tonnen CO2-Emissionen jährlich ein.

Mehr zum Energiepark Hafen

Bis 2030: Ablösung des Heizkraftwerks Tiefstack – Ersatz durch den Energiepark Tiefstack

Auch in Tiefstack wird das bestehende Heizkraftwerk durch einen modularen Erzeugungsstandort ersetzt:
 

  • Abwärmenutzung aus Industrie, Müllverwertung
  • Flusswasserwärme: Großwärmepumpen-Anlage in der Billwerder Bucht
  • Wärmespeicher zur Flexibilisierung der Wärmeerzeugung
  • Umstellung des HKW Tiefstack von Steinkohle- auf Erdgasbetrieb gewährleistet die Versorgungssicherheit 
CO₂-Einsparung
Energiepark Tiefstack

In Tiefstack vollenden wir den Kohleausstieg Hamburgs. Das sind gute Nachrichten fürs Klima: Wir reduzieren die CO2-Emissionen noch einmal um zirka 340.000 Tonnen CO2 jährlich

Mehr zum Energiepark Tiefstack

Insgesamt wird durch die beiden Großprojekte Energiepark Tiefstack und Energiepark Hafen sowie die Einbindung der Wärme vom Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) eine deutlich höhere thermische Leistung für das Hamburger Stadtnetz erschlossen, als durch die beiden Kohlekraftwerke wegfällt. So können wir unsere Wachstumspläne verfolgen und in Zukunft noch mehr Hamburger Haushalte mit heißem Wasser zum Duschen und Heizen versorgen.  

Ein Bauarbeiter in Arbeitskleidung zeigt auf eine Baustelle.

2. Lokale Wärmequellen intelligent nutzen

Als Industrie- und Millionenmetropole erzeugt Hamburg täglich große Mengen ungenutzter Abwärme. Diese lokalen Quellen werden künftig systematisch in die Fernwärme eingebunden – direkt in der Stadt, für die Stadt. Zusätzlich nutzen wir die Klärwerksprozesse und Flusswasser zur Wärmegewinnung. Zu unseren Wärmequellen zählen:
 

  • Industrieabwärme: z. B. ArcelorMittal, Aurubis
  • Abfall- und Müllverwertung: z. B. Rugenberger Damm, Borsigstraße, ZRE
  • Abwasser: über eine neue Großwärmepumpe am Klärwerk Dradenau
  • Flusswasserwärme: über eine Wärmepumpen-Anlage in der Billwerder Bucht 

Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme. Außerdem schaffen wir so mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. 

3. Innovative Technologien für ein stabiles Wärmenetz

Innovative Technologien sorgen dafür, dass Hamburgs Wärmeversorgung auch bei vielen verschiedenen Wärmequellen zuverlässig bleibt – und dabei immer weniger fossile Energie benötigt.
 

  • Großwärmespeicher stellen Wärme aus Abwärme- und Power-to-Heat-Anlagen bedarfsgerecht bereit.
  • Durch Sektorenkopplung wie bei den Power-to-Heat-Anlagen wird erneuerbarer Strom, z. B. bei Windüberschuss, in Wärme umgewandelt.
  • Digitale Steuerungssysteme vernetzen Erzeugung, Speicherung und Verteilung – für maximale Effizienz und Versorgungssicherheit.
  • Großwärmepumpen binden bislang ungenutzte Wärmequellen ein und bringen sie auf das erforderliche Temperaturniveau.

In den Energieparks werden diese Technologien gezielt miteinander kombiniert. So wird der fossile Brennstoffeinsatz weiter reduziert und ein hochflexibles, zukunftssicheres Wärmesystem geschaffen.
 

4. Erdgas als Übergang – vorbereitet auf grünen Wasserstoff

Für die Wärmewende gilt: Die Versorgungssicherheit hat Priorität. Deshalb können wir noch nicht vollständig auf Erdgas verzichten. Wir setzen es aber nur noch gezielt ein – als flexible Reserve, vor allem an sehr kalten Tagen, bei kurzzeitiger, hoher Nachfrage oder wenn eine klimaneutrale Wärmequelle einmal ausfällt. Diese Brückentechnologie ermöglicht eine stabile Wärmeversorgung, während gleichzeitig der Anteil klimafreundlicher Quellen kontinuierlich wächst. Entscheidend ist: Die neuen KWK-Anlagen werden bereits heute – soweit technisch möglich – für einen späteren Betrieb mit grünem Wasserstoff ausgelegt. Sobald grüner Wasserstoff in ausreichenden Mengen und zu angemessen Preisen verfügbar ist, werden die Anlagen umgerüstet.

Im Zusammenspiel mit Speicherlösungen, Wärmepumpen und Abwärmenutzung entsteht so ein System, das flexibel bleibt – und gleichzeitig konsequent in Richtung Klimaneutralität 2040 führt.

Ausblick: Klimaneutral bis 2040

Mit dem Kohleausstieg bis 2030 schaffen wir die Basis – das Ziel ist klar: Eine vollständig klimaneutrale Fernwärmeversorgung für möglichst viele Hamburgerinnen und Hamburger bis spätestens 2040.

Dafür setzen wir auf:
 

  • den Ausbau der Fernwärme zur Versorgung zusätzlicher Stadtteile und Quartiere,
  • lokale Ressourcen wie Abwärme und Flusswasser,
  • technologische Offenheit für grünen Wasserstoff bzw. erneuerbarem Flüssigbrennstoff und neue Lösungen,
  • sichere Versorgung auch bei vielen verschiedenen Wärmequellen, 
  • und Lösungen, die langfristig tragfähig sind.

Gemeinsam für Hamburgs Wärmewende: Klimaschutz muss für alle funktionieren – auch wirtschaftlich. Mit ihrem Beitrag zur Dekarbonisierung leisten die Hamburger Energiewerke auch einen Beitrag zur Unabhängigkeit von Lieferländern und steigenden CO2-Preisen und damit zur langfristigen Preisstabilität der Fernwärme in Hamburg.