Zwei seitlich abgelenkte Bohrungen wurden in das geothermische Reservoir, eine 130 Meter mächtige und 45 Millionen Jahre alte Sandsteinschicht, runtergebracht. Der Bohrturm hat eine Höhe von zirka 40 Metern. (Aufnahmen von 2022)
Ausbau erneuerbare Energien

Geothermie in Hamburg

Für eine grüne Fernwärmeversorgung

Geothermie ist bei den Hamburger Energiewerken weit mehr als nur eine erneuerbare Energiequelle: Sie ist ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche und grundlastfähige Fernwärme in Hamburg. Gemeinsam mit Wind- und Solarenergie ist sie die dritte erneuerbare Energie, die wir in unserer nachhaltigen Energieversorgung nutzen. Ihr großer Vorteil: Erdwärme steht unabhängig vom Wetter ganzjährig und rund um die Uhr zur Verfügung – eine verlässliche Grundlage für eine klimafreundliche, städtische Wärmeversorgung. Mit unseren geothermischen Projekten schaffen wir die Basis für eine zukunftssichere, CO₂-neutrale Fernwärme in Hamburg.

Geothermie: Technologien in  der Wärmeversorgung

Wir binden Geothermie gezielt in die Hamburger Wärmeversorgung ein, um nachhaltige, CO₂-neutrale Wärmequellen in die bestehende Infrastruktur zu integrieren. Das Wärmenetz Wilhelmsburg und unser Quartier Neue Mitte Stellingen sind zwei Beispiele, wie wir den Anteil fossiler Brennstoffe deutlich senken und die Wärmeerzeugung klimafreundlich umgestalten.

Die geothermische Wärme wird mithilfe von Wärmepumpen auf die erforderliche Temperatur gebracht und direkt ins Fernwärmesystem oder in das Heizsystem des Quartiers eingespeist. So nutzen wir eine kontinuierlich verfügbare, umweltfreundliche Energiequelle, die einen Beitrag zur Dekarbonisierung Hamburgs leistet – und gleichzeitig die Versorgungssicherheit langfristig stärkt.

Die beiden Projekte setzen auf zwei entscheidende Technologien: tiefe Geothermie und oberflächennahe Geothermie. Dabei nutzt die oberflächennahe Geothermie den Untergrund bis zu einer Tiefe von zirka 400 Metern. Die hydrothermale Tiefengeothermie nutzt Reservoire von über 400 Metern, in denen Thermalwasser zirkuliert.

Beide spielen eine wichtige Rolle in der klimafreundlichen Wärmeversorgung der Stadt. 

Tiefe Geothermie in Wilhelmsburg: Teil des Forschungsprojekts IW3

Das Geothermieprojekt in Wilhelmsburg markiert einen wichtigen Meilenstein in der Nutzung geothermischer Wärme. Erstmals wird in Hamburg ein Projekt der tiefen Geothermie realisiert. 

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme einer Bohrstelle mit einem hohen Bohrturm.

Auf Hamburgs größter Elbinsel Wilhelmsburg haben wir in rund 1.300 Metern Tiefe erfolgreich ein geothermisches Reservoir erschlossen. In einem hydrothermalen Kreislauf wird künftig das etwa 48 °C heiße Thermalwasser aus der mächtigen Sandsteinschicht gefördert. Übertage wird die Wärme entzogen und mittels einer effizienten Wärmepumpenanlage auf die Temperatur des Heizwassers erhöht. Mit der Geothermie-Anlage soll die Fernwärmeversorgung in Wilhelmsburg weiter ausgebaut werden, um fossile Wärmeerzeuger zu verdrängen. Dafür werden die bereits existierenden zwei Wärmenetze– Energiebunker und Energieverbund – zusammengeschlossen, schrittweise verdichtet und ausgebaut.

Zwei Bohrungen sind notwendig, um die Erdwärme aus über tausend Metern Tiefe zu fördern. Das warme Thermalwasser gelangt über die Förderbohrung nach oben, wo ihm im Heizhaus die Wärme entzogen wird. In einem mehrstufigen, effizienten Wärmepumpenprozess wird die Temperatur auf die erforderlichen 75 bis 85 °C angehoben, bevor die Wärme an den Heizwasserkreislauf abgegeben wird. Aufgrund des mehrstufigen Wärmepumpenprozesses kann die gewonnene Wärmeenergie und damit auch die Anzahl der versorgten Haushalte von rechnerisch ursprünglich 4.700 auf über 6.000 erhöht werden. Das abgekühlte Thermalwasser wird über die Injektionsbohrung zurück in den Entnahmehorizont geleitet. Da die beiden Bohrungen nach zirka 400 Metern Tiefe seitlich abgelenkt sind, liegen deren Enden in der geothermischen Schicht mehr als 1.000 Meter auseinander. Das abgekühlte Wasser kann sich daher durch die Hitze des Erdkerns wieder erwärmen, während es sehr langsam wieder dem Entnahmehorizont zuströmt.

Ein Mitarbeiter baut den Fördertest auf dem Bohrplatz auf.
  • Tiefe der Produktionsbohrung: ca. 1.400 Meter
  •  Tiefe der Injektionsbohrung: ca. 1.300 Meter
  • Mächtigkeit der Sandsteinschicht: ca. 130 Meter
  • Alter der Gesteinsschicht: 45 Millionen Jahre
  • Thermalwasser-Temperatur: zirka 48 °C
  • Förderrate: ca. 140 m³/h
  • Geothermale Wärmeleistung: zirka 6 MW
  • Wärmepumpenanlage aus zwei 4-stufigen Wärmepumpen
  • Wärmepumpenanlage: 8 MW Leistung, COP von bis zu 4,5 (W48/W75)
  • Temperaturanhebung des Fernwärmewassers auf 75 bis 85 °C
  • Versorgte Haushalte mittels Geothermie: rechnerisch über 6.000

Das Geothermie-Projekt ist Teil des Forschungsprogramms IW³– Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg, das eine nahezu CO₂-freie Wärmeversorgung für die umliegenden Wohnquartiere anstrebt. IW³ gehört zu den „Reallaboren der Energiewende“ aus dem Programm NextGenerationEU, mit dem die Umsetzung von Innovationsvorhaben im Industriemaßstab gefördert wird. Die Hamburger Energiewerke arbeiten dabei gemeinsam mit verschiedenen Partnern an der Erforschung und praktischen Umsetzung der innovativen Geothermie-Technologie.

Gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium stellt das IW3-Vorhaben einen bedeutenden Schritt in der Erkundung geothermischer Energie in Norddeutschland dar. 

Erfahren Sie mehr zum IW3 Forschungsprojekt und unserem Geothermieprojekt.

Oberflächennahe Geothermie im Quartier „Neue Mitte Stellingen“: Modell für die Zukunft

 

  • Drohnenfoto aus dem Quartier Stellinger Terrassen, zu sehen ist eine Nahaufnahme des Daches eines der Wohngebäude, auf dem Dach verlaufen Rohre und Leitungen aus Edelstahl für Abluft und Wärmetauscher, dazwischen stehen dunkelblaue Photovoltaikmodule. Im Hintergrund sind weitere Gebäude des Quartiers zu sehen, darüber blauer Himmel mit weißen Wolken.
  • Nahaufnahme einer Reihe von Photovoltaikmodulen auf einem Flachdach in der Sonne mit Bäumen im Hintergrund und blauem Himmel.
  • Foto von einer in der Tiefgarage der Stellinger Terrassen installierten Wallbox, links Anschnitt zu sehen ist ein dunkel lackiertes Elektroauto zu sehen, dessen Ladeklappe geöffnet ist. Ein Ladekabel verbindet das Auto mit der Wallbox.
  • Foto aus der Wärmezentrale im Keller unter dem Quartier Stellinger Terrassen; im Hintergrund sind grau verkleidete isolierte Wärmespeicher zu sehen, der zentral im Bild stehende kleine graue Würfel ist die Wärmepumpe von Vissmann.

Im Quartier „Neue Mitte Stellingen“ setzen wir auf oberflächennahe Geothermie. Insgesamt 11 Erdwärmesonden in etwa 35 Metern Tiefe liefern die Grundlast für die Wärmeversorgung. Die gewonnene Erdwärme wird über eine Wärmepumpe aufbereitet und versorgt die Bewohner mit Heizwärme und Warmwasser.

Für die Wärmepumpe als Grundlasterzeuger nutzen wir ergänzend die Abwärme der Gebäude und des Blockheizkraftwerks, welches perspektivisch auch mit Wasserstoff betrieben werden soll. Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher liefert Ökostrom, was das Quartier besonders energieeffizient und umweltfreundlich macht.

Das Projekt steht exemplarisch für eine ökologische Energieversorgung der Zukunft. Die intelligente Kombination von unterschiedlichen erneuerbaren und klimaneutralen Energiequellen erlaubt es, fossile Energie zu reduzieren. Das Blockheizkraftwerk garantiert die Wärmeversorgung und liefert zusammen mit der PV-Anlage Strom für die Mieter des Quartiers. 

Wärmeversorgung ist stets lokal. Das Quartier Neue Mitte Stellingen ist ein gutes Beispiel, wie oberflächennahe Geothermie ihren Beitrag in der Wärmewende leisten kann. Ein maßgeschneiderter Mix aus unterschiedlichen Technologien ist der Erfolgsgarant für lebenswerte Quartiere in Hamburg – und ein wichtiger Beitrag für eine klimafreundliche Stadtentwicklung.

Erfahren Sie mehr über unseren Ausbau Dezentraler Netze.

Vorteile der Geothermie im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen

Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solarenergie bietet Geothermie entscheidende Vorteile: Als Energiequelle liefert sie unabhängig von Wetter und Tageszeit kontinuierlich Wärme. Sie ist damit grundlastfähig und eignet sich ideal für die stabile Versorgung urbaner Wärmenetze wie in Hamburg-Wilhelmsburg.

Ein weiterer Vorteil ist der geringe Platzbedarf, was Geothermie gerade unter den beengten Bedingungen städtischer Gebiete besonders attraktiv macht. Langfristig bietet die Erneuerbare Energie aufgrund der Unabhängigkeit von Lieferländern und steigenden CO2-Preisen stabile Energiepreise.

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes kann das technische Potenzial der tiefen und mitteltiefen Geothermie jährlich rund 118 Terawattstunden (TWh) zur Wärmewende beitragen – ein klares Signal: Geothermie ist eine unverzichtbare Energiequelle der Zukunft.

Zukunftsperspektiven der Geothermie in Hamburg – Blaupause für Norddeutschland

Das Geothermieprojekt in Wilhelmsburg markiert einen bedeutenden Schritt für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in Hamburg. Die erfolgreiche Erschließung des geothermischen Reservoirs und der geplante Ausbau des Wärmenetzes Wilhelmsburg leisten einen maßgeblichen Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen und zur Erreichung der Klimaziele der Stadt.

In den kommenden Jahren wollen wir die Integration geothermischer Wärme in das Fernwärmesystem weiter vorantreiben – mit dem Ziel, fossile Brennstoffe schrittweise zu ersetzen und die Abhängigkeit von importierter Energie deutlich zu verringern.

Das Projekt IW3 in Wilhelmsburg ist ein „Reallabor der Energiewende“ und zeigt, wie dezentrale, CO₂-neutrale Wärmeversorgung im urbanen Raum realisiert werden kann. Es dient als Blaupause für weitere Städte und Gemeinden in Norddeutschland, die Geothermie als Teil ihrer Wärmewende nutzen möchten.

Unsere Bohrungen leisten einen wertvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntnis über die tiefengeothermische Nutzung im Norddeutschen Becken. Mit unserem Forschungsprojekt setzen wir uns intensiv dafür ein, die geothermische Wärmeversorgung langfristig auszubauen und zu sichern.

Antworten auf die häufigsten Fragen zu unserem Geothermie-Projekt