Energiewende erleben

Hamburg, 03.05.2024
Schrägansicht der Westfassade des Energiebunkers mit großem Panoramafenster und Solarhülle.

Wie gelingt die urbane Energiewende? Erleben Sie es auf einer Führung durch den Energiebunker in Wilhelmsburg.

Ein Leuchtturm der Energiewende: Viel zu lange war der alte Flakbunker in Wilhelmsburg ein architektonischer Schandfleck. Heute ist das ehemalige Kriegsbauwerk ein weltweit einzigartiges Beispiel für den innovativen Umgang mit regenerativen Energien und Vorreiter für andere regionale Kraftwerke weltweit.

Heute ist der ehemalige Flakturm nicht nur ein grünes Kraftwerk für das umliegende Quartier, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel für Einwohner und Touristen gleichermaßen. 

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Westfassade des Energiebunkers mit großem Panoramafenster und Solarhülle

Wandel mit Weitblick

Noch vor wenigen Jahren bot sich den Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburgern in der Neuhöfer Straße ein Bild bedrückender Vergangenheit: Auf einer Fläche, die fast dreieinhalb Fußballfelder umfasst, ragte ein umzäunter dunkelgrau-schwarzer Betonklotz 42 Meter in den Himmel. Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Flakbunker, der mit seiner zerschundenen Fassade von Not, Angst und der Sinnlosigkeit des Krieges erzählte, ohne ins Hier und Jetzt zu passen.

Zwischen 1942 und 1944 waren sowohl der Stahlbetonkoloss in Wilhelmsburg als auch sein Pendant auf dem Heiligengeistfeld als Zeichen der Stärke des damaligen Deutschen Reiches erbaut worden. Neben dem Schutz der Zivilbevölkerung bei Bombenangriffen dienten die beiden Bunker mit ihren Flugabwehrkanonen (kurz: Flak) vor allem der Luftabwehr. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes entschieden sich die Alliierten, den beiden Megabunkern den Garaus zu machen. 1947 sprengte die britische Armee den Innenraum des Flakbunkers in Wilhelmsburg, um ihn für einen erneuten kriegerischen Nutzen unbrauchbar zu machen. Die folgenden 60 Jahre witterte das Bauwerk ungenutzt vor sich hin.

 

 

Baustelle des zum Energiebunker umfunktionierten Flakturms in Wilhelmsburg mit großem Durchstich der Bunkerwand, Baucontainern und Bagger im Vordergrund sowie einem Baukran an der Südseite beim Aufbau der Solaren Hülle.

 

Zwei Solartechniker im Arbeitskorb einer Hubarbeitsbühne an der südlichen Photovoltaik-Fassade des Energiebunkers, im Hintergrund sind am Horizont die beiden Windräder auf dem Energieberg in Georgswerder zu erkennen.

 

Mit Beginn der Internationalen Bauausstellung (IBA), die von 2006 bis 2013 in Hamburg Station machte, fiel schließlich der Startschuss für die neue Nutzung der maroden Kriegsruine: In Wilhelmsburg sollte ein Ökokraftwerk entstehen. Eine Zukunftsvision in einem Mahnmal aus der Vergangenheit.

In das Konzept des Energiebunkers floss zwischen 2006 und 2009 viel Expertise und Herzblut. Schließlich sollte das Projekt nicht nur eine wegweisende Vision bleiben, sondern tatsächlich funktionieren. 2010 wurde das baufällige Gebäude so weit abgesichert, dass mit der Sanierung begonnen werden konnte. Neben einem lokalen Ökostrom-Kraftwerk und einem gigantischen Warmwasser-Speicher entstanden bis 2013 in dem ehemaligen Flakbunker auch Attraktionen für Hamburger und seine Besucher.

Trägerkonstruktion für die Solarhülle des Energiebunkers inmitten eines von vier ehemaligen Flaktürmen auf dem Dach des Energiebunkers.

 

Südseite des Energiebunkers mit Solarhülle über den herbstlaub tragenden Bäumen von Wilhelmsburg, dahinter die Skyline von Hamburg mit Michel, Fernsehturm und Elbphilharmonie.

 

Das Café vju bietet im Energiebunker auf 30 Metern Höhe mit seiner Aussichtsterrasse einen spektakulären Blick über die Hansestadt. Darüber hinaus ist in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen eine tolle Ausstellung über die Geschichte und die Verwandlung der Anlage entstanden. Seit 2015 ist der Energiebunker an das Hamburger Strom- und Nahwärmenetz angeschlossen.

Führungen durch den Energiebunker
Öffentliche Führungen und Gruppenangebote

Am Wochenende bieten wir Führungen an, denen sich alle Besucher:innen des Energiebunkers anschließen können. Erleben Sie eine spannende Stunde rund um die Geschichte des Bunkers vom Kriegsbauwerk hin zu einem innovativen Leuchtturmprojekt der Energiewende und erfahren Sie mehr über die Stadtentwicklung in Wilhelmsburg. Im Anschluss können Sie im Café vju den unvergleichlichen Panoramablick über die Stadt genießen.

Jeden Sonnabend und Sonntag finden unsere öffentlichen Führungen um 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr statt. Der Treffpunkt befindet sich vor der Kaffeerösterei in der 8. Etage. Eine Reservierung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Gruppen können sich für exklusive Führungen durch die grüne Energiezentrale direkt bei uns anmelden.

 

Zu den Führungen

Wie funktioniert der Energiebunker?

Im Energiebunker kommen viele verschiedene Technologien zum Einsatz. Damit liefert der Bunker Ökostrom und vor allem Wärme für das gesamte Reiherstiegviertel in Wilhelmsburg. Ein großartiges Beispiel dafür, wie ein ganzes Quartier mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann. Damit Wilhelmsburger es zu Hause schön warm haben und genügend Strom fließt, nutzen wir nicht nur die Kraft der Sonne, sondern greifen auf viele weitere Energiequellen zurück.

Solarthermieanlage auf dem Dach des Energiebunkers in Wilehelmsburg.

 

Solarenergie

Auf dem Dach und an der Südseite des Energiebunkers sind über 2.000 Quadratmeter Solarkollektoren und -zellen angebracht, die die Sonnenstrahlen über Hamburg einfangen. Die Solarthermieanlage auf dem Dach erzeugt dabei Wärme, die Photovoltaikanlage an der Südseite den Strom.

Abwärme

Aus einem benachbarten Industriegebiet wird Abwärme in den Energiebunker geleitet, dort gespeichert und als Wärme an die Verbraucher weitergegeben.

Mehr zur Abwärmenutzung

Südseite des Energiebunkers mit Solarhülle über den Herbstlaub tragenden Bäumen von Wilhelmsburg, im Vordergrund ein Wilhelmsburger Kirchturm.

 

Frontale Ansicht des grau verkleidetes Blockheizkraftwerks in der Energiezentrale des Energiebunkers in Wilhelmsburg.

 

Kraft-Wärme-Kopplung

Zwei mit städtischem Biogas vom Hamburger Klärwerk betriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) im Inneren des Energiebunkers sorgen mittels Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig für Strom und Wärme. Damit in Wilhelmsburg nie die Heizung ausgeht, sichert zwei Spitzenlastenkessel die Wärmeversorgung zu außergewöhnlichen Stoßzeiten ab.

Speicher

Den größten Platz im Energiebunker nimmt der Wärmespeicher ein. Dieser Großpufferspeicher fasst 2 Millionen Liter Wasser. Das entspricht 2.000 Kubikmetern. Das Wasser dient als Speichermedium für die Wärmeenergie, die über den Verlauf des Tages aus der industriellen Abwärme, den Sonnenkollektoren und BHKW eingespeist wird. Der Speicher selber ist besonders gut isoliert und sorgt so dafür, dass insbesondere zu Spitzenzeiten genug Wärme für die Elbinsel vorhanden ist.

Das Bild zeigt den Wärmespeicher im Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg.