Bohrstart für Hamburgs erstes Geothermie-Kraftwerk

27.01.2022
Zeitungsstapel auf einem Laptop

Wärme aus 3500 Metern Tiefe für 5000 Haushalte

Nach jahrelanger Planung ist es endlich soweit: Ende Januar haben wir mit den Bohrungen für unser Geothermie-Kraftwerk in Hamburg-Wilhelmsburg begonnen! Für uns ist es der vorläufige Höhepunkt eines Projektes, das uns seit 2011 begleitet und welches wir seitdem hartnäckig weiterverfolgt haben – ein Leuchtturm für eine umweltfreundliche und CO2-neutrale Wärmeversorgung der Elbinsel.

 

Eine der größten Herausforderungen für eine nachhaltige Energieversorgung ist und bleibt die Wärmewende: die allermeisten Privathaushalte verwenden mehr als drei Viertel ihres Energieverbrauchs für die Wärmeversorgung – und nutzen dafür in den meisten Fällen nach wie vor fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas. Erneuerbare Wärmequellen wie Solarthermie oder Abwärme können dazu eine Alternative sein. Und natürlich die schier unendliche Energiequelle im Inneren unseres Planeten: Erdwärme. Mit unserem Geothermie-Projekt im Hamburg-Wilhelmsburg wollen wir aktiv dazu beitragen, das hier schlummernde Klimaschutz-Potenzial zu nutzen und nicht nur die Strom-, sondern auch die Wärmeversorgung in Hamburg klimafreundlich zu gestalten.

Das geplante Geothermie-Kraftwerk soll nach einem erfolgreichen Abschluss der Bohrungen heißes Thermalwasser als Energiequelle nutzen. Dieses wird in einem geschlossenen Kreislauf aus 3.500 Metern Tiefe an die Oberfläche befördert. Über Wärmetauscher wird die Energie dem Wasser entzogen und zur weiteren Verteilung in das dezentrale Nahwärmenetz in Wilhelmsburg eingespeist, zu dem heute schon der Energiebunker und das offene Nahwärmenetz der Neuen Mitte Wilhelmsburg gehören. Anschließend wird das abgekühlte Thermalwasser zurück in den Untergrund geleitet – natürlich genau in jene Schicht, aus der es urspünglich entnommen wurde. Für diesen geschlossenen Kreislauf sind zwei Bohrungen geplant: die sogenannte Produktionsbohrung dient zur Förderung des heißen Thermalwassers, die Injektionsbohrung um es in den Untergrund zurückzuleiten. Die Bohrarbeiten wollen wir im Verlauf der zweiten Jahreshälfte abschließen.

Das Geothermie-Kraftwerk wird das erste seiner Art in Hamburg sein. Mit einer geplanten Leistung von 10 Megawatt können zukünftig rund 5.000 Haushalte in Wilhelmsburg mit grüner Wärme versorgt werden. Das spart pro Jahr rund 7.000 t CO2 ein, die sonst durch Öl- oder Gasheizungen entstanden wären. Darüber hinaus soll das Kraftwerk auch als Blaupause dienen: die Erfahrungen, die im Rahmen dieses Projektes hier in Hamburg gesammelt werden, können andere Städte und Gemeinden in Norddeutschland nutzen, um vergleichbare Anlagen zu planen und zu errichten – und so ihrerseits einen Beitrag zur Wärmewende zu leisten.

Reallabor der Energiewende

Das neue ökologische Erdwärme-Kraftwerk ist eines von drei Teilprojekten der Integrierten WärmeWende Wilhelmsburg (IW³), welche als Reallabor der Energiewende durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert wird. Ziel des Reallabors ist es, eine nahezu CO2-freie Wärmeversorgung von Wilhelmsburger Wohnquartieren zu realisieren. Zusammen mit dem zweiten Teilprojekt des IW³, einem saisonalen Aquiferspeicher, der Wärmeüberschüsse aus den Sommermonaten im Winter nutzbar macht, können unterschiedliche Energiebedarfe mit unterschiedlichen Energieverfügbarkeiten effizient verknüpft werden. Ein digitaler Wärme-Marktplatz bündelt als drittes Teilprojekt des IW³ alle lokalen Energieerzeuger und Verbraucher und ermöglicht eine kosteneffiziente wie klimafreundliche Versorgung von Gebäuden.

Gemeinsam mehr erreichen

Neben der Hamburger Energiewerke GmbH, die nach der Fusion der Wärme Hamburg GmbH und der Hamburg Energie GmbH auf Hamburg Energie als Konsortialführer folgt, sind an dem Projekt auch die Hamburg Energie Geothermie GmbH (HEGeo), Consulaqua mbHHIR Hamburg Institut Research gGmbH sowie die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg und die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel beteiligt.