1894 bis 1945

Im Hamburger Rathaus fängt alles an

Die Geschichte der Fernwärme in Hamburg reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Nachdem das alte Rathaus der Hansestadt dem großen Brand zum Opfer fällt, sieht das Neubau-Konzept vor, dass es keine Feuerungsanlage innerhalb des Gebäudes geben soll – die Wärme muss somit von außen kommen. So entsteht die Idee, neben Strom auch Wärme aus dem Kraftwerk an der Poststraße zu beziehen. Das Rathaus ist damit Hamburgs erster Fernwärme-Kunde.

1894

kommt es zur Premiere der Kraft-Wärme-Kopplung, als die erste Dampfmenge in Richtung des Rathauses strömt. Das Deutsche Kaiserreich hat damit sein erstes Kraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme produziert.

Fernwärmeverteilung im Rathaus-Keller

1886 beginnen die Arbeiten am neuen Rathaus. Die 600 Säle und Zimmer sollen elektrisch beleuchtet werden. Um das Gebäude zu beheizen, wird eine 300 Meter lange Rohrleitung zum Rathaus verlegt.

Der erste Fernwärmekunde ist die Hamburger Bürgerschaft.

Bereits 1888 errichtet Hamburg in der alten Stadtwassermühle das Kraftwerk Centrale Poststraße – eines der ersten im deutschen Kaiserreich. Es versorgt zunächst die umliegenden Straßen, die Börse und das neu erbaute Rathaus mit Strom und später dann auch mit der ersten Fernwärme.

Hamburgs erstes Elektrizitätswerk in der alten Stadtwassermühle, Poststraße

Am 15. März gründen acht renommierte Persönlichkeiten von Hamburger Banken, Handelshäusern und Reedereien die Aktiengesellschaft Hamburgische Electricitäts-Werke. Erster Direktor ist der Ingenieur Max Rupprecht

Max Rupprecht, erster Vorstand der HEW

1894

Am 1. April, dem Tag der Konstituierung der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW), geht das Kraftwerk Poststraße mit allen Einrichtungen und Vorräten in den Besitz des neuen Unternehmens über.

Schaltwarte im Kraftwerk Poststraße
Arbeiten an den Fernwärmeleitungen

Poststraße

Die Kessel werden zunächst mit Cinder (Kohlerückstände, die oft Asche und Schlacke enthalten und als Brennstoff für Öfen und Heizungen verwendet werden), später mit Koks und Steinkohle aus England befeuert. Durch die zentral produzierte und verteilte Wärme verbessert sich die Luftqualität in Hamburg.

Gruppenbild der ersten Belegschaft

1895

startet am 3. Januar die erste Heizperiode. Sie endet am 7. April. Die Kessel der Poststraße sind in diesem Zeitraum 1.690 Stunden und 10 Minuten in Betrieb.

Auch nach heutigem Standard handelt es sich bei dieser Wärmeversorgung um Fernwärme. Denn wie der Bundesgerichtshof 1990 urteilt: „Wird aus einer nicht im Eigentum des Gebäudeeigentümers stehende Heizungsanlage von einem Dritten nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten eigenständig Wärme produziert und an andere geliefert, so handelt es sich um Fernwärme.“

Der Wärmespeicher am Gerhart-Hauptmann-Platz

1896

steigt die Nachfrage nach elektrischem Strom und Wärme. Mit der zweiten „Centrale“ bekommt die Stadt das neue Kraftwerk „Karoline“, das auf dem Gelände der ehemaligen Zollvereinsanlage in der Karolinenstraße entsteht.

Kraftwerk „Karoline“ in den 20er Jahren

1897

wurde das Rathaus nach elfjähriger Bauzeit fertiggestellt.

1898/99

Kurze Zeit später entsteht ein weiteres Kraftwerk in Barmbek.

Kraftwerk in Barmbek

1905

bezieht die HEW nach eineinhalbjähriger Bauzeit das Verwaltungsgebäude am Pferdemarkt (heutiger Gerhard-Hauptmann-Platz). Wegen erheblichen Platzmangels wird 1928 ein neues Verwaltungsgebäude –ebenfalls am Pferdemarkt – errichtet und in der Folgezeit stetig erweitert.

Das ursprüngliche Verwaltungsgebäude am Pferdemarkt (heutiger Gerhart-Hauptmann-Platz)
Nach der erneuten Erweiterung in den 60er Jahren

1917

geht mit dem Kraftwerk Tiefstack das erste Großkraftwerk der HEW in Betrieb.

1921

Der Ausbau der Fernwärme schreitet voran und weitere Gebäude werden schrittweise angeschlossen. Hamburg gilt damit als Vorreiter in der Entwicklung der Städteheizung im 20. Jahrhundert.

Gruppenbild der Einkassierer und Ableser

Hamburg ist Pionier für die Entwicklung der Stadtheizung im 20. Jahrhundert.

Ausbau der Fernwärme in der Hamburger Innenstadt

1921/22

gibt es bereits fünf Kunden, die über den Wärmeträger Dampf mit Wärme versorgt werden. Dazu gehören das Alsterhaus und die Dresdner Bank am Jungfernstieg.

1923/24

werden bereits 24 Gebäude in der Innenstadt mit Fernwärme versorgt.

Fernheizwerk Hamburg – der Lageplan aus dem Jahr 1926

Anfang der 1920er Jahre beziehen bereits 24 Gebäude im Herzen Hamburgs Fernwärme.

1924

Die Kapazität des Kraftwerks Poststraße ist erschöpft, eine Erweiterung nicht möglich. Um die Versorgungsleistung zu erhöhen, wird eine 2.150 Meter lange Dampfleitung zum Kraftwerk „Karoline“ gebaut.

Verlegung der Fernwärme zur Poststraße
Luftaufnahme vom HEW Verwaltungsgebäude mit Wärmespeicher

1926

entsteht ein im Zentrum der Stadt gelegenes Warmwassernetz. Die Leistung beträgt 29 MW bei einer Temperatur von 90/70 Grad (Vor-/ Rücklauf). Es wird ein 36 Meter hoher Heizwasserspeicher mit 2.700 Kubikmeter Wasserinhalt auf dem Hof des HEW-Verwaltungsgebäudes errichtet.

1929

Die Kraftwerke Poststraße und Karoline haben die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht. Das Kraftwerk Bille wird deshalb zur Fernwärmeversorgung herangezogen.

Kraftwerk Bille, Start der Stromerzeugung 1901

1929/30

Das Kraftwerk Poststraße dient daraufhin nur noch als Reserve und Wärmequelle an sehr kalten Tagen sowie als Versorgung von Warmwasserbereitungsanlagen, Koch- und Waschküchen in Hotels in den Sommermonaten.

Der Maschinenraum in der Poststraße

Moderne Infrastruktur für die wachsende Stadt.

1930er

Die Freie und Hansestadt Hamburg macht das Angebot, Dampf von der neu errichteten Müllverbrennungsanlage Borsigstraße in das Fernwärmenetz einzuspeisen. Dampfleistung: 220t/h bei 15 bar Betriebsdruck und 350 Grad.

1934

übernehmen die Kessel in Tiefstack die Fernwärmeversorgung der veralteten Anlage in der Bille und liefern Dampf von 15 bar und 350 Grad über eine 3,5 Kilometer lange Leitung.

Verlegung der Fernwärme zum Kraftwerk Tiefstack

Die Verbindung zwischen Tiefstack und Karoline ist damit hergestellt. Bis heute besteht diese Leitung und wird für die Fernwärmeversorgung eingesetzt.

Weitere Geschichten der Fernwärme

1894 bis 1945

Im Hamburger
Rathaus fängt alles an

Eine sichere und effiziente Wärmeversorgung: Mit dem Bau des neuen Rathauses startet das Pilotprojekt Fernwärme durch.

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1945 bis 1970

Jahre des Aufbaus und
Ausbaus

In den Nachkriegsjahren wird die wichtige Infrastruktur nach und nach wieder aufgebaut. Auch die Fernwärme rückt immer mehr in den Fokus.

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1970 bis 2013

Fernwärme als Antwort auf die Ölpreiskrise

Als die Ölpreise immer weiter anziehen, braucht es bezahlbare Alternativen – auch mit Blick auf die Zukunft. Die Lösung heißt Fernwärme.

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2013 bis 2045

Umsetzer der Hamburger Energiewende

Erneuerbare Energien und klimaneutrale Abwärme ersetzen fossile Brennstoffe. Die Fernwärme wird bis spätestens 2030 kohlefrei und weiter ausgebaut.

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