Wärmenetz Wilhelmsburg wächst und wird klimafreundlicher

Hamburg, 08.09.2025
Zu Besuch bei der künftigen Geothermie-Anlage (v.l.: HEnW-Geschäftsführer Michael Prinz; Umweltsenatorin Katharina Fegebank; Thomas-Tim Sävecke, HEnW-Geschäftsbereichsleiter Engineering; Dr. Carsten Hansen, Leiter Forschung und Entwicklung des Geothermieprojekts). Bild: Hamburger Energiewerke

Zu Besuch bei der künftigen Geothermie-Anlage (v.l.: HEnW-Geschäftsführer Michael Prinz; Umweltsenatorin Katharina Fegebank; Thomas-Tim Sävecke, HEnW-Geschäftsbereichsleiter Engineering; Dr. Carsten Hansen, Leiter Forschung und Entwicklung des Geothermieprojekts). Bild: Hamburger Energiewerke

Geothermie-Anlage schreitet voran: Heizhaus-Bau gestartet

Die Hamburger Energiewerke (HEnW) bauen mit dem Wärmenetz Wilhelmsburg die klimafreundliche Fernwärmeversorgung auf Hamburgs größter Elbinsel weiter aus. Dafür werden die bereits existierenden zwei Wärmenetze – Energiebunker und Energieverbund – zusammengeschlossen, schrittweise verdichtet und ausgebaut. Zentrale erneuerbare Wärmequelle wird die Geothermie-Anlage, die an den Energiebunker angeschlossen wird. Sie wird künftig zuverlässig klimafreundliche Wärme in das erweiterte Wärmenetz einspeisen und so fossile Wärmeerzeugung weiter verdrängen. Die Geothermie-Anlage ist maßgeblicher Baustein des Reallabors „Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg“ (IW3), das den Grundstein für eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung auf der Hamburger Elbinsel legt. Heute hat sich Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, auf der Geothermie-Baustelle im Wilhelmsburger Hafengebiet über den Stand des Projekts und das entstehende Wärmenetz Wilhelmsburg informiert.

Die Geothermie-Anlage schreitet in ihrer Realisierung voran: So hat der Bau des Heizhauses für die Wärmepumpenanlage bereits begonnen. Für ein stabiles Fundament wurden mehr als 140 Pfähle mit einer Länge von je 11 Metern in den Untergrund gebracht. Nach Herstellung des Betonfundaments soll nahtlos das Heizhaus errichtet werden. Dort steht zukünftig die mehrstufige Wärmepumpen-Anlage, die das Temperaturniveau des Thermalwassers aus der Geothermie auf das Niveau der Fernwärme in Wilhelmsburg anhebt. Auch die Wärmepumpen-Anlage ist bereits in der Fertigung. Im Verlauf des Jahres 2026 soll gemäß Planungsstand die Geothermie-Anlage mit all ihren Komponenten schrittweise in Betrieb gehen, um noch im gleichen Jahr CO2-neutrale Erdwärme zu fördern und die klimafreundliche Wärme bedarfsgerecht in das Wilhelmsburger Fernwärmenetz einzuspeisen.

Die Leitungsbauarbeiten für das Wärmenetz Wilhelmsburg kommen ebenfalls gut voran. Die Anbindungsleitung vom Geothermie-Standort an den Energiebunker wird in diesem Jahr fertiggestellt. Auch der Bau der Leitung, um beide Wärmenetze miteinander zu verbinden, ist bereits gestartet.

Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Neben Abwärme aus Industrie und thermischer Abfallbehandlung und Umweltwärme aus Luft und Wasser ist die Geothermie als erneuerbare Energie ein weiterer Baustein für eine erfolgreiche Wärmewende. Nur mit einem breiten Mix an Technologien können wir unsere ambitionierten Ziele erreichen. Ich freue mich daher, dass die HEnW bei der Geothermie wie auch bei Großwärmepumpen, Power-to-Heat und Industrie-Abwärme echte Pionierarbeit leisten. Wir zeigen damit ganz deutlich: Wir wagen Neues und wollen alle sinnvollen Möglichkeiten nutzen, unsere Energie- und Wärmeversorgung klimafreundlich zu gestalten. Während die HEnW die klimafreundliche Wärmeversorgung in Wilhelmburg und auch im Stadtzentrum ausbauen, arbeiten wir weiterhin auf Hochtouren an der umfassenden kommunalen Wärmeplanung für unsere gesamte Stadt. So zeigen wir für jedes Gebiet eine Perspektive für klimaneutrale, sozialverträgliche und versorgungssichere Wärmeversorgung auf und ebnen den Weg dorthin.“

Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke: „Das Forschungsprojekt Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg hat es uns ermöglicht, die Geothermie-Bohrung durchzuführen. Durch die erfolgreiche Erschließung des geothermischen Reservoirs können wir unsere klimafreundliche Wärmeversorgung in Wilhelmsburg jetzt weiter ausbauen. Wie geplant werden wir die drei neuen IBA-Quartiere Rathausviertel, Elbinselquartier und Spreehafenviertel sukzessive anschließen. Darüber hinaus sind wir in fortgeschrittenen Gesprächen mit Wohnungsbaugesellschaften über den Anschluss mehrgeschossiger Gebäude im Bestand. Die Entwicklung in Wilhelmsburg zeigt, dass die Nachfrage nach Fernwärme ungebrochen ist.“

Im Wärmenetz des Energiebunkers stammen bereits heute 45 Prozent des Wärmemixes aus klimaneutralen Quellen wie Biomethan, Solarthermie und industrieller Abwärme. Der verbleibende Anteil wird in der Grund- bzw. Spitzenlast** noch durch Erdgas gedeckt. Da geothermische Wärme rund um die Uhr verfügbar ist, kann sie das Erdgas in der Grundlast zukünftig verdrängen. Im Wärmenetz des Energieverbunds wird der konstante Energiebedarf über ein Biomethan-Blockheizkraftwerk erzeugt; lediglich für die Spitzenlast wird Erdgas eingesetzt. Die beiden Wärmenetze versorgen heute zusammen gut 3.700 Wohneinheiten. Die Geothermie-Anlage wird künftig nicht nur Erdgas im Wärmemix verdrängen, sondern auch die Versorgung zusätzlicher Gebäude mit klimafreundlicher Wärme ermöglichen.

Das zukünftige Heizhaus der Geothermie-Anlage in Hamburg-Wilhelmsburg (Visualisierung: Hamburger Energiewerke)

Das zukünftige Heizhaus der Geothermie-Anlage in Hamburg-Wilhelmsburg (Visualisierung: Hamburger Energiewerke)

Details zum ersten Hamburger Geothermie-Projekt
Das Geothermie-Projektteam hat in 2023 erfolgreich ein geothermisches Reservoir in einer Tiefe von über 1.300 Metern erschlossen. Die Experten rechnen mit einer rein geothermalen Wärmeleistung von zirka 6 Megawatt. Das Thermalwasser wird in einem geschlossenen Kreislauf gefördert und wieder in das Reservoir zurückgeleitet. Im Heizhaus wird dem zirka 48 Grad Celsius warmen Thermalwasser mittels eines Wärmetauschers Wärme entzogen und durch die effiziente Wärmepumpen-Anlage auf die erforderliche Temperatur zwischen 75 und 85 Grad Celsius angehoben und an den Heizwasserkreislauf abgegeben. Aufgrund des geplanten mehrstufigen Wärmepumpenprozesses können mit der Geothermie-Anlage rein rechnerisch über 6.000 Haushalte versorgt werden.

Das Hamburger Geothermie-Projekt wird von Hamburg Energie Geothermie, einer Tochter der Hamburger Energiewerke, umgesetzt. Das Projekt ist Teil des Reallabors IW3 – Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg. Mit IW3 wird der Grundstein für eine nahezu CO2-freie Wärmeversorgung von Wilhelmsburger Wohnquartieren gelegt. Als „Reallabor der Energiewende“, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das IW3 Vorhaben mit insgesamt rund 22,5 Millionen Euro, um die Forschung und Entwicklung im Bereich zukunftsweisender Energietechnologien zu unterstützen.


Bildmaterial wie bspw. eine Karte des zukünftigen Wärmenetzes können Sie unter dem Link Geothermie für Hamburg herunterladen

Bildhinweis: Hamburger Energiewerke

Fakten zur Hamburger hydrothermalen Geothermie

  • Tiefe der Produktionsbohrung: ca. 1.400 Meter 
  • Tiefe der Injektionsbohrung: ca. 1.300 Meter
  • Mächtigkeit der Sandsteinschicht: ca. 130 Meter
  • Alter der Gesteinsschicht: 45 Mio. Jahre
  • Thermalwasser-Temperatur: zirka 48 °C
  • Förderrate: ca. 140 m3/h
  • Geothermale Wärmeleistung: ca. 6 MW
  • Wärmepumpeneinsatz zur Temperaturanhebung des Fernwärmewassers: 75-85 Grad Celsius, je nach Jahreszeit

Fakten Heizhaus der Geothermie-Anlage

  • Heizhaus Gebäudefläche: 1.200 m2, umfasst die Maschinenhalle und ein Betriebsgebäude
  • Wärmepumpenanlage (zwei 4-stufige Wärmepumpen): 8 MW Leistung, COP bis zu 4,5 (W48/W75)*
  • BHKW: 2 MW elektrisch – je nach Einsatzplanung – für die Stromversorgung der Wärmepumpen-Anlage
  • PV-Anlage: ca. 25 kWp für den Eigenbedarf von Klimatisierung und Leittechnik

Fakten zum Leitungsbau:

  • Anbindungsleitung der Geothermie-Anlage an den Energiebunker: 1,4 Kilometer, gut 80 Prozent sind schon gebaut. Ein 35 Meter langer Tunnel zur Unterquerung des Bahndammes und der daneben liegenden Hauptverkehrsstraße, die größte Herausforderung für den Leitungsbau, wurde bereits erfolgreich in diesem Februar gebaut.
  • Leitung zur Verbindung der beiden Wärmenetze – Energiebunker und Energieverbund: ein Kilometer. Die ersten 200 Meter sind bereits im Bau.

* Der COP-Wert (Coefficient of Performance), auch Leistungszahl, ist eine Kennzahl für die Effizienz einer Wärmepumpe. Er beschreibt das Verhältnis zwischen erzeugter Wärmeleistung zur eingesetzten elektrischen Leistung an einem bestimmten Lastpunkt, in der Regel bei Volllast. Der COP-Wert wird im Labor unter Normbedingungen bestimmt.

** Die Grundlast in der Wärmeerzeugung deckt den konstanten und von saisonalen Schwankungen unabhängigen Energiebedarf, während die Spitzenlast eine ausreichende Energieversorgung bei hoher, kurzzeitiger Nachfrage – z. B. in Wintermonaten - sichert.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

Bettina Schwarz
Hamburger Energiewerke GmbH, 
Unternehmenskommunikation
Telefon: +49 40 6396-2733
E-Mail: bettina.schwarz@hamburger-energiewerke.de

Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft
Alexander Fricke | Pressestelle
Telefon: 040 42840 8006
E-Mail: pressestelle@bukea.hamburg.de