Bundesweit einzigartiges Wärmeprojekt
Hamburg, 08.12.2021Gemeinsam mit der Behörde für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Agrarwirt-schaft (BUKEA) und der Wärme Hamburg GmbH hat die Stadtreinigung Hamburg (SRH) am Mittwoch ihr bundesweit bisher einzigartiges Projekt zur „Erweiterten Wärmenutzung“ in der Müllverwertungsanlage Borsigstraße (MVB) vorgestellt. Mit Fertigstellung der Effizienzsteigerungsmaßnahmen Ende 2023 wird die MVB zusätzlich rund 350.000 MWh/a Wärme in das Leistungsnetz von Wärme Ham-burg einspeisen. Allein dadurch werden 104.000 Tonnen CO2 jedes Jahr ver-mieden.
Das zweistufige Bauprojekt hat ein Volumen von 55 Millionen Euro und wird durch Fördermittel des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie von der BUKEA mittels des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit insgesamt 14,7 Millionen Euro unterstützt. Es ist Teil des Projektverbunds Nord-deutsches Reallabor. Das Projekt „Erweiterte Wärmenutzung“ verfolgt das Ziel einer zusätzlichen Wärmeauskopplung durch das gezielte Abkühlen von Rauchgasen. Das Projekt sieht vor, die drei Verbrennungslinien der MVB direkt an das Fernwär-menetz der Wärme Hamburg anzuschließen, um eine Leistungssteigerung der Müll-verwertungsanlage zu ermöglichen. Je nach Bedarf wird die MVB in Zukunft direkt ins Hamburger Fernwärmenetz einspeisen oder, wie bisher, den produzierten Dampf dem Heizkraftwerk (HWK) Tiefstack zur Verfügung stellen.
Umweltsenator Jens Kerstan: „Mit dem innovativen Projekt der erweiterten Wär-menutzung an der Müllverwertung Borsigstraße hat Hamburg wieder einmal ein ech-tes Pionier- und Zukunftsprojekt auf den Weg gebracht. Die jährliche CO2-Einsparung von 104.000 Tonnen ist ein wesentlicher und in jeder Hinsicht klima-freundlicher Beitrag für die Wärmewende in Hamburg. Wir bringen damit nicht nur den Kohleaussteig im Heizkraftwerk Tiefstack voran, sondern machen einen großen Schritt auf unserem Weg zum endgültigen Kohleausstieg.“
Prof. Dr. Rüdiger Siechau, Geschäftsführer Stadtreinigung Hamburg: „Durch die thermische Müllverwertung in unseren Anlagen stellen wir nicht nur die Abfallentsor-gung für Hamburg sicher, sondern sind auch einer der größten Lieferanten klima-freundlicher Energie für die Stadt. Dieses bundesweit einzigartige Projekt sorgt da-für, dass wir ohne den zusätzlichen Einsatz von Abfall als Brennstoff künftig einen noch größeren Anteil Wärme ins Hamburger Netz einspeisen werden. Das innovati-ve Wärmeprojekt ist adaptierbar und auch für unsere Müllverwertungsanlage Ru-genberger Damm (MVR) vorgesehen.“
Dr. Michael Beckereit, technischer Geschäftsführer der Wärme Hamburg GmbH: „Als Gestalter eines zukunftsfähigen Fernwärmesystems arbeiten wir konsequent an einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Am Standort Borsigstraße investieren wir rund neun Millionen Euro in den Bau einer Pumpstation, die den Anschluss der MVB an unser Fernwärmesystem ermöglicht. Mit einer zusätzlichen Wärmeleistung von bis zu 350.000 MWh/Jahr lassen sich künftig rund 35.000 Hamburger Haushal-te mit klimaneutraler Abwärme aus dem Abfallverwertungsprozess versorgen. Wär-memengen aus fossilen Brennstoffen können so reduziert und unser Primärenergie-faktor verbessert werden. Auf unserem Weg bis spätestens 2030 vollständig aus der Kohlenutzung auszusteigen leisten wir mit dem gemeinsamen Vorhaben einen weiteren Beitrag zur Erreichung der Hamburger Klimaziele.“
Prof. Dr. Werner Beba, NRL-Projektkoordinator (und Leiter CC4E der HAW Hamburg: „Die Nutzung von Abwärme der MVB leistet einen großen Beitrag für die De-karbonisierung der Fernwärme in Hamburg auf dem Pfad zur Klimaneutralität. Sie ist deshalb ein zentrales Vorhaben im Norddeutschen Reallabor, in dem 50 Partner aus Industrie und Wissenschaft den Transformationspfad für ein sektorenkoppeln-des Energiesystem entwickeln. Das MVB-Projekt hat darüber hinaus das Potenzial, auch in anderen Regionen Folgeprojekte auszulösen.“
Erste Überlegungen zur Effizienzsteigerung der Anlage wurden bereits im Jahr 2017 angestellt. Nach der Zustimmung aller Aufsichtsgremien und zuständigen Behörden im September 2020 ging das Projekt in die Umsetzung. Für den Bauabschnitt 1 erfolgten im Mai 2021 bereits die ersten Grundstücksarbeiten für das neue Be-triebsgebäude. Die Inbetriebnahme der Linien 1 und 2 ist für das 3. Quartal 2022 vorgesehen. Der Bauabschnitt 2 und damit die Inbetriebnahme der Linie 3 ist für das vierte Quartal 2023 geplant.
Rückfragen der Medien:
SRH
Kay Goetze
040-2576-1010
Kay.goetze@stadtreinigung.hamburg
BUKEA
Renate Pinzke
040-42840-8006
renate.pinzke@bukea.hamburg.de
Wärme Hamburg
Karen Hillmer
040-6396-2732
karenkristina.hillmer@waerme.hamburg