Warum die Preise steigen

Hamburg, 14.11.2022
Mann liest am Tablet bei einer Tasse Kaffee

In den letzten Monaten des Jahres 2022 sind die Handelspreise für Strom und Gas besonders dramatisch gestiegen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Preisgestaltung von Hamburg Energie.

Hintergrund der Preisanpassungen

Seit Ende letzten 2021, aber insbesondere seit Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022, beobachten wir einen noch nie dagewesenen Preisanstieg an den Energiemärkten. Die Einkaufskosten für Strom und Gas übertreffen langjährige Preisrekorde. Das bereits überdurchschnittliche hohe Niveau ist außerdem starken Schwankungen ausgesetzt. Wegen dieser Marktentwicklungen mussten wir bei Hamburg Energie in den letzten Monaten bereits die Preise für Neukunden immer wieder deutlich anpassen. Nachdem wir die Preise für unsere Bestandskunden über den Jahresverlauf noch stabil halten konnten, zwingen uns diese drastischen Preissteigerungen dazu, auch unsere Bestandskundenpreise zum 1. Januar 2023 anzupassen.​​​​​​

Warum ist der Strommarkt vom Gaspreis abhängig?

Die Preise für Strom werden vor allem an der Energiehandelsbörse gebildet. An diesen Handelsplätzen treffen Anbieter, also die Betreiber von Kraftwerken, auf die Nachfrage von Stromversorgungsunternehmen. Der Preis für die Lieferung von Strommengen bildet sich aus dem Angebot und der Nachfrage an dieser Energiebörse.

Die Deckung der Angebote erfolgt im Strommarkt nach der so genannten MERIT-Order. Das heißt, dass in der Angebotsreihenfolge so lange Kraftwerke von günstig nach teuer hinzugeschaltet werden, bis alle Nachfrager ihre Stromkäufe decken können. Der Preis des teuersten Kraftwerks, das für die Deckung dieser Nachfrage als letztes hinzugeschaltet werden musste, gilt dabei dann für alle Anbieter an dieser Börse.

In dieser Reihenfolge kommen Ökokraftwerke wie Windräder und Solaranlagen immer zuerst. Sie haben gesetzlich einen Einspeisevorrang und sind in der aktuellen Marktlage auch die günstigsten Energieerzeuger. Leider sind wir noch immer viel zu weit davon entfernt, dass der Verbrauch allein durch Erneuerbare Energien gedeckt werden kann. In der MERIT-Order kommen nach den Erneuerbaren die großen Kohle- und Atomkraftwerke. Die produzieren aktuell Strom auch günstiger als Gaskraftwerke. Allerdings sind sie deutlich zu unflexibel, um den kontinuierlich schwankenden Strombedarf in der Spitzenlast auszugleichen. Insbesondere Atomkraftwerke sind technisch gar nicht auf schnelle Leistungsänderungen ausgelegt und laufen in der Regel das ganze Jahr durch.Ganz am Ende der Strombedarfsdeckung stehen die Gaskraftwerke. Sie sind aktuell aufgrund hoher Kosten für den fossilen Brennstoff Gas die teuersten in dieser Reihenfolge. Ihr Vorteil ist, dass sie relativ schnell hoch- und runtergefahren werden können. Dadurch sind sie besonders Hilfreich in der Versorgungssicherheit, um so die Erzeugung genau auf das Verbrauchsniveau einzupegeln und für stabile Stromnetze zu sorgen. Gaskraftwerke komplettieren damit praktisch die Einsatzreihenfolge – und Sie bestimmen so auch den Preis für den gesamten Markt.

Warum hängt der Preis für meinen Ökostrom mit der Strombörse zusammen?

Gaskraftwerke bestimmen im Stromgroßhandel an der Börse den Preis für alle dort gehandelten Strommengen. Wie kommt es jetzt aber, dass die dort steigenden Preise auch Einfluss auf die Ökostromtarife von Hamburg Energie haben?

Bei Hamburg Energie bieten wir ausschließlich Tarife mit 100 % Ökostrom an. Und wir investieren hier vor Ort in Hamburg und der Region in Erneuerbare Energien. Unsere Windräder und Solaranlagen sind aufgrund der EEG-Förderung, die uns Planungssicherheit für diese nicht unerheblichen Invesitionen gegeben hat, allerdings gesetzlich dazu verpflichtet, den produzierten Grünstrom einzuspeisen und im oben beschriebenen Handel anzubieten.

Für die Versorgung unserer Kundinnen und Kunden ist es uns deshalb rechtlich nicht möglich, die in unseren EEG-geförderten Ökokraftwerken erzeugten Strommengen direkt an unsere Kundinnen und Kunden zu liefern. Im aktuellen Strommarktdesign müssen wir deshalb für die Belieferung wieder Strommengen einkaufen. Das machen wir direkt bei den Betreibern von Ökokraftwerken und nicht über die Strombörse. Doch auch unsere Ökostromlieferanten richten sich in der Preisfindung nach den Börsenpreisen. Grundsätzlich werden dadurch weder Erzeuger noch Lieferanten übervorteilt – wenn wir den Strom deutlich teurer einkaufen würden, wären wir nicht konkurrenzfähig, wenn wir deutlich günstigere Preise zahlen wollten, würden die Betreiber der Ökokraftwerke lieber an andere Abnehmer verkaufen oder eben direkt an die Börse gehen. Durch dieses Prinzip orientieren sich auch alle direkten Abmachungen (genauso wie die an der Börse selbst gehandelten Energiemengen) an dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.

Das ist auch der Grund, weshalb unsere Preise für Ökostrom nicht losgelöst von den Börsenpreisen betrachtet werden können – und weshalb uns allen die besonders teuren fossilen Energieträger nach wie vor die Preise diktieren. Gleichzeitig zeigt sich daran auch, washalb sich das Preisniveau fast aller Stromanbieter aktuell auf einem ähnlich hohen Plateau befindet. Nur aufgrund unserer längerfristigen Beschaffungsstrategie können wir unseren Kundinnen und Kunden aktuell einen Vorteil gegenüber vergleichbarn Neukundenpreisen mitgeben.