Nachhaltig für Hamburg

24.04.2023
Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke GmbH

Im Interview mit der Szene Hamburg für die aktuelle Ausgabe "NacHHaltigkeit" gibt unser Geschäftsführer Michael Prinz seine Einschätzung zum aktuellen Stand der Energiewende in der Hansestadt und erläutert, wie wir diese maßgeblich voranbringen.

Herr Prinz, wo steht Hamburg in Sachen Energiewende?

Die Energiewende geht in Hamburg mit Tempo voran. Wir haben frühzeitig mit der Dekarbonisierung der Wärme angefangen. In einem ersten Schritt werden wir bis spätestens 2030 – und damit früher als die meisten anderen Bundesländer – den Kohleausstieg schaffen und übernehmen hier eine Vorreiterrolle. Die Weichen dafür haben wir mit dem Energiepark Hafen gestellt. Er löst das Kraftwerk Wedel bis 2025 ab. Mit dem Energiepark Tiefstack werden wir das Kraftwerk Tiefstack ersetzen und den Kohleausstieg vollenden. Erste Projekte sind bereits in der Umsetzung. Darüber hinaus hat Hamburg bereits 2009 mit Hamburg Energie einen eigenen städtischen Ökostrom- und Gasanbieter gegründet und sich damit an die Spitze der Bewegung gesetzt. Aber natürlich ist das noch nicht ausreichend: Wir wollen in den nächsten Jahren den Anteil an Erneuerbaren Energien weiter stark ausbauen und so unseren Beitrag für die Stadt leisten.

 

Und wo hat Hamburg Ihrer Meinung nach einen Spitzenplatz im Vergleich zu anderen Städten oder Bundesländern?

Ein Beispiel: Hamburg hat es geschafft, Windenergieanlagen im urbanen Umfeld zu errichten. Das ist in einer Metropole, in der Platz ganz offensichtlich ein knappes Gut ist, eine echte Herausforderung. Darauf können wir stolz sein. Möglich wurde das, weil wir auch ungewöhnliche Orte wie Industrieanlagen im Hafen in unsere Überlegungen einbezogen haben. Das macht die Planung und Umsetzung sicherlich noch einmal ein ganzes Stück weit anspruchsvoller. Wie man aber sehen kann, wenn man heute durch den Hafen fährt: Es ist möglich.

Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke GmbH
Hamburgs Energiewende

Seit der Gründung von Hamburg Energie im Jahr 2009 haben wir hier vor Ort und der Region umfassend in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Auch in der fusionierten Gesellschaft der Hamburger Energiewerke sind wir nach wie vor der größte Produzent von Ökostrom aus Sonne und Wind in der Hansestadt. Wir treiben die Energiewende voran – und das kann man sehen. Erfahren Sie hier mehr über unsere Energieerzeugung und unsere Ökokraftwerke in der Metropolregion.

Mehr erfahren

"Generell müssen wir schneller bei Genehmigungen werden."

– Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke GmbH und verantwortlich für die Marke Hamburg Energie

Wo muss aus Ihrer Sicht noch nachgelegt werden?

Generell müssen wir schneller bei Genehmigungen werden. Das ist jedoch sicherlich kein Hamburg-spezifisches Problem, sondern gilt bundesweit. Darüber hinaus würde ich mir einen stärkeren Austausch zwischen allen involvierten Parteien wünschen, die sich um das Thema Erneuerbare Energien kümmern. Hier könnten wir mit Sicherheit noch viel mehr Synergien schaffen, wenn wir stärker zusammenarbeiten würden.

Inwieweit beeinflusst Ihrer Meinung nach der Krieg in der Ukraine die Ziele der Energiewende speziell in Hamburg?

Die Anhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist nicht nur nachteilig für das Klima, sondern gefährdet aufgrund einer überschaubaren Zahl von Lieferländern auch die Versorgungssicherheit. Das ist durch den Krieg stärker ins Bewusstsein gerückt und der Ausbau der Erneuerbaren Energien hat jetzt noch einmal Fahrt aufgenommen. Wir stellen fest, dass das Interesse an erneuerbarer Energie und an den zugehörigen Projekten deutlich zugenommen hat. Immer mehr Gewerbe- und Industriekunden sind viel stärker bereit selbst in Erneuerbare Energien zu investieren – natürlich auch mit dem Fokus langfristig planbarer Energiekosten.

Wie planen die Hamburger Energiewerke die Versorgungssicherheit Hamburgs zu gewährleisten?

Bei all unseren Planungen müssen wir immer das Dreieck aus Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit berücksichtigen. Während wir bislang einen Großteil unsere Wärme an zwei Standorten erzeugen, setzen wir zukünftig auf eine Diversifizierung des Portfolios. Dabei werden wir verschiedene Wärmequellen wie beispielsweise Industrieabwärme, Abfallverwertung, Großwärmepumpen und Wind-zu-Wärme-Anlagen miteinander vernetzen. Durch die intelligente Vernetzung der verschiedenen Wärmequellen schaffen wir es mit unserm Erzeugungsportfolio eine sehr hohe Versorgungssicherheit in der Wärmeversorgung unserer Kunden zu gewährleisten.