Klimaneutrale Industriewärme von Aurubis

Hamburg, 09.01.2025
Vertreter:innen der Hamburger Energiewerke und Aurubis starten symbolisch das Leuchtturmprojekt für klimaneutrale Fernwärme. Gemeinsam stehen sie vor einem symbolischen Modell einer Fernwärmeleitung und halten gemeinsam das Ventilrad.

Symbolischen Start für die Wärmeauskopplung in der Hamburger Kupferproduktion.

Wärme für bis zu 20.000 Hamburger Haushalte – mit der Auskopplung von Industriewärme bei Aurubis erschließen die Hamburger Energiewerke nicht nur eine weitere klimaneutrale Heizquelle, sondern sparen gleichzeitig bis zu 100.000 Tonnen an CO2-Emissionen ein. 

Panoramablick über den neuen Wärmespeicher und das Werk von Aurubis in Hamburg im Hintergrund.

Bereits im Dezember 2021 war ein Vertrag zur Industriewärmelieferung geschlossen worden. Mit der Fertigstellung und Einweihung des dafür nötigen Wärmespeichers setzen wir dieses in Größe und Komplexität deutschlandweit einmalige Projekt weiterhin planmäßig um. Das Multimetallunternehmen  Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) fördern das Projekt.

Druckwärmespeicher

  • Größe: 35 Meter 
  • Durchmesser: 14 Meter 
  • Volumen: 4.000.000 Liter
  • Wassertemperatur: bis zu 105 Grad Celsius
  • Gewicht Kuppeldach: 72 Tonnen

Industriewärme für Hamburg

Aurubis koppelt dafür die Wärme in einem Nebenprozess seiner Kupferproduktion aus. Bereits im Sommer 2024 hat das Unternehmen umfangreiche Investitionen in seiner Hamburger Hütte vorgenommen. Die Wärme wird in Form von heißem Wasser in den neuen Druckwärmespeicher in Hamburg-Veddel geleitet. Der Wärmespeicher funktioniert ähnlich wie eine Thermoskanne: Bei Bedarf wird die Wärme in das über 860 Kilometer lange Stadtnetz der Hamburger Energiewerke eingespeist.

 

Illustration der 4 Schritte von der Abwärme bei Aurubis bis zu den Hamburger Haushalten.

 

Woher stammt die Abwärme?

Im Aurubis-Werk Hamburg entsteht die Abwärme in der sogenannten Kontaktanlage. Hier wird in mehreren Prozessschritten Schwefelsäure als Nebenprodukt der Kupferraffination hergestellt. Dieser Prozess ist eine exotherme chemische Reaktion, bei der CO2-freie Wärme auf einem Temperaturniveau entsteht, das sich gut für die klimaneutrale Fernwärmeversorgung eignet. Die Technologie wird seit 2018 erfolgreich im Aurubis-Werk für die Wärmelieferung an enercity zur Versorgung der östlichen HafenCity und Rothenburgsort eingesetzt und nun deutlich erweitert. Das Industriewärme-Projekt unterstreicht die ambitionierten Dekarbonisierungsziele des Multimetall-Unternehmens und verdeutlicht das Streben von Aurubis, Vorreiter bei Lösungen für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften zu sein.

Wärmeauskopplung bei Aurubis

  • Einbau von zwei neuen Zwischenabsorbern mit einem Gewicht von jeweils 250 Tonnen
  • Hier entsteht die Wärme bei der Produktion von Schwefelsäure als Nebenprodukt der Kupferraffination
  • Installation von speziellen Wärmetauschern
  • Länge der Wärmeleitung auf dem Werksgelände: ca. 1 Kilometer

Leistung

  • Klimaneutrale Fernwärmeversorgung von bis zu 20.000 Haushalten
  • Einsparung von bis zu 100.000 Tonnen CO2-Emissionen

"Mit solchen Projekten können große Fortschritte auf dem Weg zur klimaneutralen Metropole Hamburg erreicht werden. Wir verbinden Industrie und Klimaschutz, stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes und setzen unseren Klimaplan um, der ambitionierte Ziele für die Stadt Hamburg beinhaltet."


 - Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

Die Industriewärmelieferung von Aurubis in Kombination mit dem Wärmespeicher ist ein Baustein des Energieparks Tiefstack, mit dem die Hamburger Energiewerke den Kohleausstieg Hamburgs bis 2030 besiegeln. Mit dem aktuellen Projekt gestalten Aurubis und die Hamburger Energiewerke gemeinsam die Wärmewende aktiv mit und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Hamburger Klimaziele. Die Wärmelieferung soll noch in der Heizperiode 2024/2025 beginnen.

Integration der Industriewärme in das Fernwärmenetz der Hamburger Energiewerke

Foto des Druckwärmespeichers der Hamburger Energiewerke.

 

 

Die Wärmeproduktion bei Aurubis und der Wärmebedarf der Fernwärmekunden fallen oft zeitlich versetzt an. Daher wird die ausgekoppelte Industriewärme in Form von 105 Grad Celsius heißem Wasser im nahe gelegenen Druckwärmespeicher der Hamburger Energiewerke zwischengespeichert.

In Verbindung mit einer Netzpumpenanlage kann die Wärme bei Bedarf in das über 860 Kilometer lange Stadtnetz eingespeist werden. Um die Industriewärme zu den Hamburger Haushalten zu bringen, nutzen die Hamburger Energiewerke im ersten Abschnitt vom Aurubis-Werk zur Elbquerung eine bestehende Leitung der enercity Contracting Nord GmbH. 

 

Ab der Billhorner Brückenstraße führt von dieser Leitung abgehend eine 2,8 Kilometer lange Fernwärmeleitung der HEnW bis zu deren Wärmeumformwerk in der Spaldingstraße.

Das Wärmeumformwerk dient als Schnittstelle, um verschiedene Wärmequellen in das Fernwärmenetz zu integrieren. Bis zur tatsächlichen Aufnahme der Industriewärmelieferung werden noch letzte Arbeiten zu ihrer Einbindung in das Stadtnetz durchgeführt.

Neben Industriewärme und der Abwärme der Müllverwertungsanlage Borsigstraße (MVB) werden Flusswasser-Wärmepumpen und ein weiterer Wärmespeicher eingesetzt, um zuverlässig klimafreundliche Wärme für die Stadt zu erzeugen.

Weitere Informationen zur Förderung

Das Industrie- oder Fernwärmeprojekt besteht aus mehreren Projekten der beiden Unternehmen Aurubis und Hamburger Energiewerke. Seitens Aurubis sind dies drei voneinander unabhängige Projekte mit jeweils eigener Wärmeauskopplung aus drei Betriebseinheiten der Kontaktanlage. Aurubis hat Förderung für drei Projekte bei der BAFA im Rahmen der ‚Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft‘ Modul 4: Energie- und ressourcenbezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen beantragt. Die Hamburger Energiewerke erhalten von der BAFA eine Förderung nach dem Programm Wärmenetze (Modul II) Modellvorhaben Wärmesysteme 4.0 . Auch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) fördert das Projekt der HEnW nach der Förderrichtlinie “Unternehmen für Ressourcenschutz” (UfR).