Fernwärme aus Abfällen
Hamburg, 15.04.2024Dank einem innovativen Projekt gewinnt die Stadtreinigung Hamburg zukünftig noch mehr grüne Energie für unsere Fernwärme.
Eine Herausforderung bei der Dekarbonisierung der Fernwärme ist der Ersatz fossiler Brennstoffe mit ausreichend grüner Energie. Mit der vollständigen Inbetriebnahme des bundesweit einmaligen Wärmeprojektes in der Müllverwertungsanlage Borsigstraße (MVB) steht jetzt noch mehr klimafreundliche Fernwärme für Hamburg aus Abfällen der Stadt zur Verfügung.
Die Müllverwertungsanlage Borsigstraße mit markantem grünen Schornstein, im Vordergrund das neue Gebäude mit den neuen Absorptionswärmepumpen.
Bereits seit 1994 betreibt die Stadtreinigung Hamburg mit der MVB im Hamburger Stadtteil Billbrook eine Anlage zur thermischen Verwertung von Hausmüll und hausmüllähnlichen Abfällen. Kern der Anlage sind zwei Verbrennungslinien mit einer jährlichen Kapazität von insgesamt rund 320.000 Tonnen. Auf diese Weise werden bei der Müllverwertung rund 785.000 MWh Fernwärme pro Jahr erzeugt. Seit 2004 liefert ein Biomasseheizkraftwerk noch zusätzliche Energie.
„Die erweiterte Wärmelieferung der MVB zahlt direkt auf die Transformation unseres Heizkraftwerkes Tiefstack ein und ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Kohleausstieg. Dank der MVB können wir den Einsatz von fossilen Energieträgern unmittelbar reduzieren und unseren Kundinnen und Kunden im Stadtnetz schon heute mit einem erhöhten Anteil an klimaneutraler Wärme versorgen.“
- Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke
Mit der vollständigen Inbetriebnahme des aktuellen Projektes wird jetzt noch mehr Wärme aus dem Verbrennungsprozess gewonnen. Der Clou: durch das gezielte Abkühlen von Rauchgasen kann mit Absorptionswärmepumpen eine zusätzliche Wärmeauskopplung von bis zu 350.000 MWh erreicht werden. Je nach Bedarf wird die MVB in Zukunft direkt Heißwasser ins Fernwärmenetz einspeisen oder den produzierten Dampf unserem Heizkraftwerk in Tiefstack zur Verfügung stellen.
Dieses MVB-Wärmeprojekt der Stadtreinigung Hamburg wurde schon während des Baus mit dem „German Renewables Award 2021“ als "Projekt des Jahres" ausgezeichnet. Die Stadtreinigung Hamburg erklärt die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des Projektes im Video für ihre Bewerbung zum Award.
Müllverwertung statt Deponie
Seit 2005 dürfen Abfälle in Deutschland nicht mehr unbehandelt auf Deponien abgelagert werden. Um den Müllmengen Herr zu werden, sind andere Wege der Abfallverwertung gefragt. Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling sind die sinnvollsten Ansätze, um Rohstoffe aus unserem Müll zurückzugewinnen. Die energetische Verwertung der Abfälle, das heißt die Verbrennung, ist insbesondere für die Zerstörung und Ausschleusung von Schadstoffen wichtig und leistet einen Beitrag zu einer umweltverträglichen Abfallentsorgung.
Gleichzeitig entsteht mit der Müllverwertung eine weitere Wärmequelle in der Stadt, die wir für die Wärmewende nutzen können. Denn auch bei der energetischen Verwertung von Abfällen entsteht als Nebenprodukt Abwärme, die wir für den Umbau von Hamburgs Fernwärmeversorgung nutzen können. Damit leistet die Müllverwertung einen direkten Beitrag zum Hamburger Kohleausstieg und zur CO2-Reduzierung der Hansestadt.